Das Mär vom Fachkräftemangel

Fast täglich hören wir vom Fachkräftemangel in Deutschland, den Problemen für die Unternehmen, passendes und qualifiziertes Personal zu finden und daher wichtige Stellen nicht besetzen zu können. Im gleichen Atemzug wird dann der erforderliche Zuzug von qualifizierten Ausländern angepriesen, der uns aus der Misere holen soll. Da frage ich mich, warum diese Forderungen immer nur von den Arbeitgeberverbänden bzw. wirtschaftsnahen Institutionen gemacht werden. Ja warum wohl? Ganz klar, weil man billige Arbeitskräfte möchte. Gerne wird ja dabei auch der Pflege- und Gesundheitsbereich genannt. Sicher, kaum ein Deutscher möchte sich noch für diese Hungerlöhne und unmenschlichen Bedingungen versklaven lassen und daher ist der Beruf des Pflegers heute so unbeliebt wie nie. Da kommen natürlich die Bulgaren und Rumänen gerade recht, die es gewohnt sind in ihren Heimatländern für 300 Euro monatlich zu schuften. Gleichzeitig haben wir aber Fachkräfte entweder arbeitslos zu Hause sitzen und irgendwelche vom Arbeitsamt sinnlosen Weiterbildungsseminare absolvieren oder aber sich in demütigenden Zeitarbeitsmodellen zu mickrigen Löhnen verdingenden gut ausgebildeten Deutschen, die der deutsche Arbeitsmarkt einfach nicht mehr will. Und warum das ganze? Schließlich haben wir doch mit unseren Steuergeldern deren Studium/Ausbildung/Weiterbildung erst möglich gemacht. Aber leider sind sie für die Unternehmen zu teuer, schließlich fordert ein gut ausgebildeter Arbeiter auch ein gewisses Gehalt. So zumindest die Argumentation der Arbeitgeber. Daß wir mit diesem Billigwahn auch unsere gute deutsche Wertarbeit aufs Spiel setzen, will keiner so wirklich sehen. Aber was will man denn erwarten, wenn heutzutage die Arbeit von Leuten gemacht wird, die den Job früher aufgrund ihrer minderwertigeren Ausbildung gar nicht bekommen hätten? (hier mal ein Erfahrungsbericht einer arbeitslosen Diplom Pädagogin, die keine Arbeit findet, weil ihre Arbeit nur noch von Fachhochschulabschlüsslern gemacht wird)

Wenn wir den Zuzug von Fachkräften wirklich ernst meinen und ich bezweifle nicht, daß es vielleicht in dem einen oder anderen Bereich Nachholbedarf gibt, dann sollte er unter folgenden Voraussetzungen erfolgen:
a) Zuerst sollten alle deutschen arbeitslosen Fachkräfte die Möglichkeit bekommen, sich für diese Stelle zu bewerben und eine eventuelle Absage muß schlüssig (ohne fadenscheinige Ausreden) begründet werden
b) Erst dann sollten sich Ausländer für diese Stelle bewerben dürfen, aber dann nach ausländischem Vorbild, zum Beispiel wie in Neuseeland (ich nenne dieses Beispiel, weil ich es aus eigener Erfahrung kenne; gerne genannt werden an dieser Stelle auch immer gern Kanada und Australien): Wenn man sich in Neuseeland als Ausländer für eine Stelle bewirbt, braucht man

1.    ein Arbeitsvisum (in Europa durch die Freizügigkeit schwierig)

2.    den Beweis dafür, daß die Stelle nicht mit einem Kiwi besetzt werden konnte (dazu zählt dann auch die nötige Ausbildung, etc)

3.    ein Gesundheitscheck, damit der Arbeiter die heimische Gesundheitskasse nicht belastet bzw. sollte man bei der Einreise sowieso eine Auslandskrankenversicherung nachweisen können

Befristet ist dieses Visum meist auf 1 oder 2 Jahre so daß man diese Prozedur mehrmals wiederholen muß.

 Wer sich für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bewirbt, muß darüber hinaus (in der Kategorie skilled migrant- also Fachkräfte)

1.    seine gesamte berufliche Laufbahn offenlegen, Studium und Ausbildung anerkennen lassen

2.    der Beruf muß auf der Liste der gesuchten Berufe stehen; Berufe also die in Neuseeland dringend benötigt werden und durch die eigenen Bevölkerung nicht abgedeckt werden können

3.    ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen

4.    genügend Punkte für die Genehmigung seines Antrags erhalten; abhängig von Alter, Ausbildung, Beruf, zukünftiger Wohnort in NZ (um Ballungsräume zu entlasten) und Berufserfahrung

Diese Punktesystem ermöglicht einen geregelten Zuzug von erwünschten Mitbürgern. Warum das bei uns nicht möglich ist, weiß ich nicht, aber wenn Deutschland solch ein System einführen würde, wäre das Geschrei wieder groß und wir als Nazis und Rassisten verschrien.

 c) Der Bedarf an qualifizierten Ausländern in diesen Mangelgebieten sollte regelmäßig überprüft werden bzw. im Inland durch gezielte Ausbildungs-/Studiumsförderung verstärkt Interesse für diese Berufe geweckt werden, um die Lücken zukünftig wieder mit aufrückenden deutschen Fachkräften füllen zu können.

 

Es entsteht der Eindruck, als interessierten die ausländischen Interessen mehr als die der eigenen Bevölkerung. Hat man doch die Deutschen durch Hartz IV, Ein-Euro-Jobs und andere abartige Konstrukte in die Armut getrieben und die Jobcenter leisten hervorragende Arbeit, die Leute nicht in Arbeit zu vermitteln. Gemacht habe ich diese Erfahrung selbst, direkt nach meiner Rückkehr nach Deutschland. Dem normalen Ablauf entsprechend meldete ich mich beim Arbeitsamt arbeitssuchend, nur um von meiner zuständigen Betreuerin gefragt zu werden, ob ich denn noch wüßte, wie man eine Bewerbung und einen Lebenslauf formuliere. Leider besteht ja immer noch die weitverbreitete Meinung, alle Arbeitslosen würden deshalb keine Anstellung finden, weil sie nicht wüßten, wie man eine ordentliche fehlerfreie Bewerbung ausformuliert. Getan hat sie übrigens nichts für mich, meine Arbeit habe ich selbst gefunden, war dann aber doch sehr schnell am Werke, als es darum ging, mich aus der Arbeitslosenstatistik zu nehmen. Und darauf kommt es letzten Endes an, die Statistik. Und so rühmen sich die Politiker mit fallenden Arbeitslosenzahlen und gestiegener Beschäftigung obwohl sie ganz genau wissen (vielleicht aber auch nicht, sie leben ja nicht in unserer Welt), daß viele von ihrer Arbeit nicht leben können.

 Und da kommen wir schon zum nächsten Problem. In 2010 waren 1,381 Millionen Beschäftigte (inkl. 125.000 Selbständige) darauf angewiesen, ihr Gehalt durch HartzIV Zahlungen aufzustocken, da sie von ihrem Gehalt nicht leben konnten. In 2012 waren dies immer noch 1,324 Millionen.

Viele von ihnen arbeiten im Einzelhandel. Niedriglöhne werden mit Steuergeldern aufgestockt (2011 immerhin 10,7 Milliarden Euro) und der Staat subventioniert somit die Gewinne dieser Unternehmen. Lohndumping und Zeitarbeit werden somit noch belohnt, anstatt bestraft und die Unternehmensbosse streichen satte Gehälter und Boni ein. Auch mit befristeten Arbeitsverträgen und Leiharbeit haben die Politiker den Arbeitgebern ein schönes Geschenk gemacht. Auch wenn befristete Arbeitsverträge nur für eine kurze Zeit angewandt werden dürfen, gibt es genügend Beispiele dafür, wie diese in der freien Wirtschaft zu Ungunsten der Beschäftigten ausgenutzt werden. Leiharbeit war eigentlich dafür geschaffen wurden, durch ein höheres Auftragsvolumen entstandene kurzfristige Kapazitätsengpässe mit schnell beschaffbaren Arbeitskräften ausgleichen zu können. Ausgeartet ist es dahingehend, daß durch niedrigere Kosten und einfacheres Arbeitsrecht viele Arbeitskräfte nur noch ausgeliehen werden. Für Unternehmen ist es viel bequemer, gegen eine Gebühr einen Personaldienstleister mit der Personalbeschaffung und –verwaltung zu beauftragen anstatt Leute selbst einzustellen. Eine neue Branche ist dabei auch gleich wie ein Pilz aus dem Boden geschossen. Es gibt eine ganze Menge Gewinner bei der Leiharbeit – leider nicht die Arbeitnehmer.

 Um diese Situation zu lösen, gibt es ein einfaches Mittel. Leiharbeiter müßten teurer sein als die Festangestellten (momentan ist es andersherum, obwohl das Gesetz eigentlich etwas anderes im Sinne hatte) damit mit ihnen wirklich nur Engpässe befriedigt werden und sie dann entweder sofort wieder abgestoßen werden oder aber in normale Beschäftigungsverhältnisse übernommen werden. Es geht nicht darum, es den Arbeitgebern so einfach wie möglich zu machen, sondern darum, Menschen wieder in ordentliche Beschäftigungsverhältnisse zu bringen!

 

Abschließend gilt zu sagen, daß es den viel zitierten Fachkräftemangel nicht gibt. Allerdings gibt es den Mangel an Fachkräftesklaven, die sich alles gefallend, wenig entlohnt und in sehr flexiblen Arbeitsverhältnissen (flexibel für die Arbeitgeber) unter ihrer Menschenwürde für ihr täglich Brot verbiegen müssen. Eigentlich sollten doch in einer Marktwirtschaft die Gesetze des Marktes auch die Preisgestaltung bestimmen: Nachfrage und Angebot regeln sich gegenseitig. Wenn es also wenige Fachkräfte gibt sollten doch die Preise für sie (also die Löhne) steigen. Tun sie aber nicht. Wir schreien lieber nach Ausländern, die diese Lücke füllen sollen. Und wie diese Lücken dann gefüllt werden, kann man u.a. hier nachlesen, wo über die Mißstände in der Fleischwirtschaft berichtet wird und darüber wie Ausländer in sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen meist jahrelang schuften, um dann von einem auf den anderen Tag ohne jegliche Grundsicherung vor die Türe gesetzt zu werden. Armes Deutschland!

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