Gedanken einer modernen Frau

In mir brodelt es, und das nicht nur dank der heißen Temperaturen, die Deutschland im Moment heimsuchen. Als aufgeklärte, gebildete und stolze Frau bewegt mich so einiges und die Realität lässt sich immer seltener mit meiner Weltanschauung in Einklang bringen. Beginnen wir mit dem Bild der Frau, welches unsere Gesellschaft noch immer prägt (oder prägt die Gesellschaft das Bild der Frau?). Wie sieht die Realität für Frauen im Berufsleben aus? Und wie im Alltag?

1. Frauen sind in erster Linie Mütter und daher naturgemäß nicht nur fürs Kinderkriegen verantwortlich, sondern auch für deren Erziehung und Wohlergehen. Dass sie dafür Rückschläge in ihrer beruflichen Karriere hinnehmen müssen, ist für viele selbstverständlich und wird nicht hinterfragt (Frauen wie Männer). Dass sie dafür beruflich zurückstecken indem sie nach der Geburt ihrer Kinder entweder in Teilzeit, in 450 Euro Jobs, in niedrigeren Positionen oder gar nicht mehr arbeiten ist für viele auch normal. Entscheidet sich eine Frau für ihre Karriere und gegen Kinder, wird sie als karrieregeil und ihrer Pflicht der Gesellschaft gegenüber (Fortbestand der Menschheit) verantwortungslos dargestellt. Bekommt eine Frau Kinder, heißt es sofort, sie hätte sich gegen Karriere entschieden und wäre weniger einsatzbereit, belastbar und u.U. auch weniger am Geschäftsleben interessiert. Recht machen kann man es niemandem! Dabei ist es doch so, dass viele Frauen sehr gern wieder in ihren alten Beruf zurückkehren würden, mit den gleichen Stunden und gleichen Aufgabenfeldern, dies aber aufgrund der miserablen Kinderbetreuung in Deutschland nicht bewerkstelligen können. Und wollen sich die Väter aktiv einbringen und auch mal eine längere Auszeit nehmen, wird das vielerorts noch mit Stirnrunzeln beantwortet. Als Mann für seine Kinder zu Hause zu bleiben, ist einfach nicht in.

2. Frauen erledigen in vielen Branchen und Berufsfeldern die gleichen Aufgaben wie die Männer, werden aber trotzdem in den meisten Berufen schlechter dafür bezahlt. Dafür gibt es einfach keine plausible Erklärung und daher sollte diese Ungerechtigkeit endlich abgeschafft werden. Auf die Politik sollten wir uns dabei nicht verlassen, denn leider interessiert es dort niemanden. Die Gewerkschaften waren mal ein Verfechter der Arbeitnehmerinteressen, haben sich aber leider auch von uns entfernt und ihre Seelen dem Neoliberalismus und dessen Wettbewerbspropaganda verkauft. Bleibt es also nur an uns hängen, für unsere Rechte einzustehen. Leider fehlt vielen Frauen das Selbstbewusstsein und das nötige harte Auftreten, um seinen Forderungen Verhör zu verschaffen. Schließlich wird uns immer eingeredet, dass man sich so als Frau nicht zu benehmen hat.

3. Ist es ein Zufall, dass die Berufe, die als typisch weiblich angesehen und daher auch von vielen Frauen ausgeführt werden, schlechter bezahlt sind als die typischen Männerberufe? Gerade die Berufe, wo viel Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz erforderlich ist (Betreuung von Kindern, Älteren, Kranken), die Pflege von Hilfsbedürftigen, Krankenschwestern, all diese Jobs sind physisch und psychisch stark belastend und werden von der Gesellschaft so gering wertgeschätzt, dass die Leute bei weitem nicht das verdienen, was sie eigentlich VERDIENT hätten. Das hat weniger damit zu tun, dass oft Frauen diese Berufe ausüben, sondern mehr damit, dass wir zwar immer wieder betonen, wie wichtig Bildung, Pflege, Erziehung für unsere Gesellschaft sind, wir uns das aber kaum was kosten lassen dürfen, weil das Geld knapp ist und wir das lieber für die Bankenrettung oder für Katastrophenprojekte wie den Berliner Flughafen ausgeben. Gerade bei der Pflege ist in den letzten Jahren durch die Privatisierung vieler Krankenhäuser und Altenheime und extremer Sparzwänge zur Gewinnmaximierung so einiges an Qualität und Menschlichkeit auf der Strecke geblieben. Aber das ist alles so gewollt.

4. Frauen sind auch daher oft gegenüber den Männern benachteiligt, weil Pflegefälle in der Familie oft von den Frauen betreut werden. Viele geben dafür ihren Beruf auf oder fahren ihre Stunden zurück, um für ihre Angehörigen da zu sein und nehmen dafür finanzielle Rückschläge in Kauf. Was sagt die Politik dazu? In der anstehenden Reform der Pflegeversicherung will man eine 10-tägige Übernahme des Gehaltes für Betroffene einführen, damit diese bei Eintreten eines Pflegefalls für die erste Phase (während man sich mit Anträgen etc herumschlagen muss) finanziell abgesichert sind. 10 Tage? Die wissen wohl nicht, wie lange die Mühlen der Bürokratie mahlen. Und was ist mit Pflege länger als 10 Tage? Wenn der Angehörige Hilfe braucht, es aber kein Geld von der Pflegeversicherung gibt oder man sich zusätzliche Hilfe vom Pflegedienst nicht leisten kann?

5. Gekürzte Arbeitszeit und niedrigere Löhne wirken sich negativ auf die Rente aus. Lebt man dann noch im Osten, wo Rentenpunkte weniger Wert sind als im Westen, kann man sich als ostdeutsche Frau schon mal als der große Verlierer fühlen.

6. Geringere Löhne und die Erziehung unserer Mädchen bewirken noch etwas ganz anderes. Studien haben bewiesen, dass sich Frauen beruflich weniger zutrauen als Männer oder anders gesagt, dass sie ihr Können realistischer einschätzen als Männer. Frauen lesen Stellenanzeigen und da gerade die Anforderungen häufiger durch als Männer und fühlen sich durch Begriffe wie „durchsetzungsfähig“ und „führungsstark“ eher abgeschreckt als Männer. Außerdem neigen sie seltener dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen oder mit Nichtkönnen zu prahlen. Dadurch haben sie im Bewerbungsprozess geringere Chancen als Männer und Unternehmen gehen hervorragende potentielle Mitarbeiterinnen verloren.

7. Der ein oder andere mag das abstreiten, aber ich gehe soweit zu sagen, dass Frauen noch immer Objekte sind. Man muss sich nur mal die Werbetafeln in den Städten anschauen, zugeklastert mit leichtbekleideten Damen in oft einladenden Posen und was ich immer gerne den Schlafzimmerblick nenne. Noch schlimmer geht es im Fernsehen zu, ob in TV-Shows oder in der Werbung. Da sieht man Pos, Busen oder gleich alles und das ist zur Normalität geworden. Bei Männern ist die nackte Frontalansicht noch immer größtenteils tabu, bei Frauen nicht. In der Werbung wird gestöhnt, verführt und ausgezogen was das Zeug hält. Sex sells. Und dabei haben sie es zu weit getrieben, denn ein nackter Körper sagt heute gar nichts mehr aus und um seine Werbebotschaften wirksam zu vermitteln, muss man immer noch einen Schritt weiter gehen. An den Schritt zurück denkt dabei keiner. Was das in uns Frauen auslöst, interessiert niemanden und noch weniger denkt man an die Jugend, die mit all dem Wahnsinn aufwächst. Die denken, mit 15 schon 3 Sex Partner gehabt zu haben wäre das normalste der Welt und wer da nicht mithält ist prüde. Wer den Models in Aussehen und Mode nicht nachsteht, ist ein langweiliger Verlierer und wird in die Ecke gedrängt. Die meisten Frauen haben eine kranke Beziehung zu ihrem Ich und ihrem Körper, weil sie eben keine Modelmasse haben. Wer möchte sich da noch gern vor jemandem ausziehen?

8. Noch schlimmer hingegen ist es, wenn man ganz öffentlich als Objekt behandelt wird und dies zum Volkssport verkommt. Beobachtet habe ich dies schon oft und persönlich passiert ist es mir auch schon. Wenn sich Männer das Recht herausnehmen, eine Kamera unter Röcke oder in einen Ausschnitt zu halten, um zu sehen was drunter ist. Wenn dies nicht mal mehr heimlich geschieht, sondern vor jedermanns Augen und keiner was sagt. Wenn dieses abscheuliche Verhalten noch belächelt vielleicht sogar ermutigt wird. Erst am Wochenende lag ich im Park und habe beobachtet, wie Männer Bilder von sonnenbadenden Frauen im Bikini machten, um diese unter Freunden rum zu zeigen. Liebe Jungs (um richtige Männer handelt es sich dabei meist nicht) – das ist nicht okay!

9. Das Geschäft mit dem Sex. Freiwillige Prostitution ist das eine, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass es eine Frau bei guter Ausbildung und guter beruflicher Perspektiven vorzieht, ihren Körper zu verkaufen, aber jedem das seine. ABER das Geschäft mit oft hilfsbedürftigen, schutzlosen und verzweifelten Frauen, die in Bussen aus ihren verarmten Heimatländern herausgebracht und an Zuhälterringe verkauft werden um dann jedem Zahlenden zu jeder Zeit gehörig zu sein, ist abscheulich und sollte endlich konsequent bekämpft werden. Diese Frauen (oft junge Mädchen) werden wie Vieh behandelt und auch oft wie dieses einfach entsorgt, wenn man mit ihnen keinen Gewinn mehr machen kann. Wie ein Mensch ein anderes menschliches Wesen so behandeln kann, ist mir ein Rätsel und zeigt Abgründe der menschlichen Seele auf, in die ich lieber nicht blicken möchte. Aber solange sich einige Menschen als höherwertiger und wertvoller betrachten als andere und sich von Geld- und Machtgier leiten lassen, wird es diese Probleme immer geben. In dieses Kapitel gehört auch die noch immer aktiv gelebte Tradition in vielen muslimischen Ländern, die Töchter an fremde Männer zu verkaufen. Da müssen junge teils noch geschlechtsunreife Mädchen mit alten Männern schlafen und werden bei Nichtgefallen oder Ungehorsam misshandelt, weiterverkauft oder getötet. Und alle schauen weg. Nicht weil es die Religion erlaubt (das tut sie nämlich nicht), sondern weil die Prediger den Koran anders auslegen und für sie Mädchen / Frauen weniger Wert sind als Männer.

Als Abschluss möchte ich noch anmerken, dass dies kein Artikel gegen Männer ist, sondern eher eine Aufforderung an uns alle, Frauen endlich ernst zu nehmen. Wir brauchen keine Frauenquoten, sondern gesellschaftliche Veränderungen (mehr bezahlbare Kitaplätze, ein anderes Bild der Väter, mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter und Väter) und eine wirkliche Gleichberechtigung der Frauen auch in finanzieller Hinsicht. So lange wir weniger Geld für die gleiche Arbeit bekommen und auch bei den Renten durch Fehlzeiten Rückschlänge hinnehmen müssen, werden wir in Abhängigkeit bleiben.

Ich möchte auch an das junge Mädchen erinnern, dass in Afghanistan für die Bildung von Mädchen eingetreten ist und sich damit klar gegen die Taliban gestellt hat. Mit einem Kopfschuss hat die Taliban versucht, sie aus dem Weg zu räumen, bevor sie anderen Mädchen und Frauen Flausen in den Kopf setzen konnte. Aber sie hat überlebt und kämpft weiter. Machen wir es ihr nach. Geben wir nicht auf und lassen wir uns nicht alles gefallen. Das wäre ein wichtiger erster Schritt!

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One response to “Gedanken einer modernen Frau”

  1. larapalara says :

    Zu Punkt 3 möchte ich noch anmerken, dass diese Berufe genau deshalb schlecht bezahlt sind, eben WEIL sie von Frauen ausgeübt werden. Nur Frauen (und die paar Prozente Männer noch, die in Pflegeberufen tätig sind) lassen sich sowas bieten. Dass das Geld knapp ist, ist ja nur eine faule Ausrede. Herzliche Grüsse, Lara

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