Es ist der Binnenmarkt, Ihr Deppen (von Nachdenkseiten)

Der amerikanische Politikwissenschaftlicher und Publizist Robert Reich berichtet über die Besorgnis amerikanischer Spitzenmanager, dass die von ihren Unternehmen hergestellten Waren angesichts des Zerfalls der amerikanischen Mittelschicht zukünftig nicht mehr genug Käufer finden. Wie bitte? Noch einmal: Amerikanische Spitzenmanager zeigen sich besorgt über die Erosion der Einkommen der amerikanischen Mittelschicht, weil sie durch ein weiteres Anhalten dieser Entwicklung ihren heimischen Absatz in Gefahr sehen.
Der europäische Leser reibt sich gerührt die Augen. Der Binnenmarkt und Unternehmer, die gesamtwirtschaftlich denken können – es gibt sie noch. Von Erik Jochem

Aber nicht in Europa. Hier wird der Binnenmarkt gerade dichtgemacht, um anderswo Binnenmärkte als Exportmärkte zu erobern.

In dieser Logik sind dann die amerikanischen Manager, die die eigene Binnennachfrage als Basis ihrer Geschäfte ansehen, die Deppen. Sorgt nur dafür, dass Eure Leute besser verdienen, rufen die deutsche Bundesregierung und die Europäische Kommission, wir nehmen Euch gerne die Butter vom Brot.

Die wahren Deppen aber sind sie.

Ihr Modell für die Weltwirtschaft sieht so aus, dass es darum geht, die Einkommen zu Hause möglichst gering zu halten. Den Binnenmarkt ins künstliche Koma versetzen: Sie nennen das Wettbewerbspolitik.

Wenn aber am Ende die Binnenmärkte überall eingeschläfert sind – wo sind dann die Exportmärkte? Und soll das wirklich ein Geschäftsmodell zwischen Staaten sein, zu sehen, wer dem anderen besser die Butter vom Brot klaut?

Vielleicht schert sich Europa in Wahrheit ja einen Dreck um gemeinsame Interessen der Weltwirtschaft und der Bevölkerungen und möchte einfach nur auf Kosten anderer – schmarotzen?

Dabei hilft die deutsche Mittelschicht, die zur Not den Gürtel solange enger schnallt, bis sie blau im Gesicht wird. Und weil sie so stolz auf die eigenen Opfer ist, das Gleiche von allen anderen erwartet. Und sich dann wundert, dass sie zusammen mit dem deutschen und europäischen Binnenmarkt das Zeitliche segnet. Auf ihrem Grabstein wird stehen: “Wir wollten nur sparen, aber es gab keine Zinsen”.

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Dieser Artikel von den Nachdenkseiten sowie der verlinkte englische Artikel “Real Business Leaders want to save Capitalism” ist sehr lesenswert und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum Einen zeigt er in knapper aber eindringlicher Form die Irrtümer unserer politischen Entscheidungsträger und außerdem liest man von amerikanischen Managern und Unternehmen, die sich Gedanken um die amerikanische Mittelschicht machen. Von einer noch sehr kleinen Gruppe Menschen, die es endlich kapiert haben, dass -wenn man durch den ausufernden und uneingeschränkten Kapitalismus erstmal alles kaputt gemacht hat – kaum noch jemand in der Lage ist, sich die Produkte und Dienstleistungen derjenigen zu leisten, die sich dumm und dämlich verdient haben. Und deswegen fordern sie neue Spielregeln, um das Spielfeld wieder einigermassen ausbalancieren zu können. Natürlich geht es letzen Endes nur wieder um ihre eigenen Gewinne, das sollten wir hierbei nicht vergessen, aber schon mal die Tatsache, dass es Unternehmer/Manager gibt, die über ihren eigenen Tellerrand (oder ihr eigenes Bankkonto) drüberschauen, ist bemerkenswert. Wenn diese Einsicht doch auch endlich in Europa, bei unseren Regierenden, der in meinen Augen kriminellen Europäischen Kommission und dem leider total überforderten EU Parlament ankommen könnte….

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