Der Absturz von MH 17 – ein Unglück kann so furchtbar praktisch sein

Der 17. Juli 2014 könnte in die Geschichtsbücher eingehen. Der Absturz einer Boeing 777 (MH 17) der Malaysia Airlines in der Ostukraine entwickelt sich zu einem politischen Tauziehen und hat das Zeug dazu, den vor langer Zeit gezündelten aber aus verschiedenen Gründen noch nicht vollends entfachten Brand nicht nur zwischen der Ukraine und Russland, sondern anderer im Hintergrund säbelrasselnder Nationen zu entfachen. Lange haben sie für das Auflodern der Flammen fleißig Brennstoff nachgelegt und sie könnten bald die Früchte ihrer hartnäckigen Arbeit säen.

Leider habe ich noch keine klaren Fakten gefunden, die auf eindeutigen unabhängigen Beweisen fußen, sondern nur Spekulationen, Hetze und Propaganda. Knapp 300 Menschen haben ihr Leben verloren und Politiker verschiedener Länder haben nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben.

1. Die ukrainische Regierung zeigt sofort nach dem Absturz in Richtung Russland und macht Putin für die Tragödie verantwortlich, da die Separatisten ihre Waffen und andere Unterstützung angeblich aus Russland beziehen. Der Zusatz „pro-russisch“ soll auch den letzten Zweifler von dieser „Tatsache“ überzeugen. Das Militär will auch sofort darüber Bescheid wissen, dass die Separatisten in Besitz von Boden-Luft-Raketen sind und natürlich gibt es auch schon Bilder und Videobeweise dafür, dass sie sich im betroffenen Gebiet aufgehalten haben.

2. Um noch glaubwürdiger zu erscheinen, gesteht das ukrainische Militär ein, dass sie keine Flugabwehrraketensysteme mehr in diesem Teil des Landes besitzen, seit die sogenannten „Buk Units“ angeblich am 29. Juni bei einer Erstürmung auf ein Militärlager von Separatisten entwendet wurden (1). Was für ein Zufall! Mal ganz abgesehen davon, dass ich nichts glaube, was von ukrainischen offiziellen Stellen verlautbart wird, so stellt sich hier doch eine ganz andere wesentliche Frage. Hätte die ukrainische Regierung nicht nach Bekanntwerden dieses Vorfalls sofort unverzüglich den eigenen Luftraum für die zivile Luftfahrt sperren müssen oder Gefahrenwarnungen veröffentlichen müssen, um jeder Fluglinie die Gefahren bei Eintritt des ukrainischen Luftraumes unmissverständlich klar zu machen?

3. Knapp 48 Stunden vor dem vermeintlichen Abschuss von MH 17 wurde eine hoch fliegende Militärtransportmaschine mit SAM Raketen abgeschossen. Wieso flog also Malaysia Air überhaupt diese Route, wenn sie doch ganz offensichtlich nicht sicher war? Die asiatische Airline ist hier übrigens kein Einzelfall, eine Lufthansa Maschine überflog nur wenige Minuten vor dem Abschuss die Region auf ihrer Route München-Delhi. (2) Fliegen hier Airlines wissentlich über Kriegsgebiet, um ihre Kosten durch Zeit- und Dieselersparnis zu senken?

4. Präsident Obama ließ verkünden, dass die Vorgänge einer genauen Prüfung bedürfen und sollte sich herausstellen, dass Russland die Waffen an die Separatisten geliefert hätte, dann müsste Washington reagieren und seinerseits mehr Waffen in die Ukraine schicken. Wo bitte ist da die Logik? Woher wissen wir eigentlich, dass die Waffen nicht aus Amerika oder Deutschland kommen? Und haben wir Deutschen jemals Verantwortung dafür übernommen, was Staaten mit den von uns gelieferten Waffen anrichten? NEIN! Obwohl gesetzlich streng geregelt, werden deutsche Waffen in Krisengebiete geliefert ohne Rücksicht darauf, wer sie letzten Endes für welche Zwecke einsetzt und wer beziehungsweise wie viele durch sie ihr Leben lassen. Die Vorwürfe an Russland sind kaltschnäuzig und populistisch und für die Zukunft kann dies nichts Gutes bedeuten.

5. Den Vogel schießt allerdings nicht unser Friedensnobelpreis Obama, sondern ein anderer Amerikaner ab, der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Senator John McCain: „Sollte sich herausstellen, dass Russland oder die Separatisten hinter dieser Katastrophe stecken, dann blüht ihnen die Hölle auf Erden. Dann hat das schreckliche Konsequenzen.“ (3). Dass Russland hinter dem Abschuss steckt, steht für die meisten Politiker im Westen, in Amerika und in der Ukraine längst fest und auch die deutschen Medien präsentieren sich momentan wieder als verlässlicher Partner in Sachen Propaganda und Volksverdummung.

6. Angeblich hat sich die Situation nach dem Absturz/Abschuss komplett verändert und die Krise auf eine neue Ebene gehoben. Warum eigentlich? 300 Tote sind tragisch, keine Frage, aber nach den zivilen Opfern des Bürgerkrieges in der Ostukraine kräht kein Hahn. Lugansk zum Beispiel wird regelmäßig von der ukrainischen Armee bombardiert und unter Artilleriefeuer genommen. Sind die niederländischen Opfer der MH 17 wichtiger oder bedeutsamer, weil sie Westeuropäer waren?

7. Sehr interessant ist übrigens auch der unter Nummer 4 verlinkte Artikel „Krieg der Stellvertreter wird heisser“. In einer Talkshow im ukrainischen Fernsehen berichtet der Moskau-Korrespondent der britischen Sunday Times, Mark Franchetti, von seinem 3 wöchigen Aufenthalt in der Ostukraine, wo er eine Kampfeinheit von Separatisten begleitete. Dem verdutzten ukrainischen Publikum erzählt er, dass er dabei kaum russische Staatsbürger angetroffen hätte, sondern einfache Ukrainer ohne Kriegserfahrung, die ihr Hab und Gut (und ihr Leben) vor den Faschisten schützen wollen. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, einen ukrainischen Grenztrupp zu stürmen, hätten sie sich verletzt nach Russland geflüchtet, wo sie von der russischen Armee entwaffnet und festgenommen wurden. Eine Unterstützung der Separatisten durch Russland stell ich mir anders vor.

Beide Seiten, Russland und Ukraine/EU/Amerika fordern indessen eine unabhängige internationale Untersuchung des Zwischenfalls. Die OECD könnte dies vielleicht stämmen – keiner anderen internationalen Organisation traue ich die Bewältigung dieser wichtigen und ergebnisträchtigen Untersuchung zu. Vor allem aber sollten wir uns bei der Flut der meist subjektiven Meinungsbeiträge in unseren Medien fragen, wer von dieser Situation wirklich profitiert. Was hat Russland davon, wenn sie ein ziviles Passagierflugzeug abschießen? Wirtschaftlich hat man sie bereits durch die Wirtschaftssanktionen in die Ecke getrieben und es wäre überaus dumm von ihnen, sich weiter zu isolieren.

Die EU? Möchte von russischen Gaslieferungen unabhängiger werden und sich verstärkt auf andere Lieferanten verlassen. Norwegen zum Beispiel kann allerdings nicht den enormen Bedarf der gesamten EU decken und hat bereits angedeutet, dass sie daran kein Interesse haben. Da kommt die seit ein paar Jahren in den USA in den Verruf geratene Gasfördermethode Fracking ins Spiel, die auch seit ein paar Monaten bei uns im Gespräch ist, allerdings vom Großteil der Bevölkerung aufgrund der Bedenken für unsere Umwelt abgelehnt wird. Die hiesigen Politiker haben sich jedoch noch nie wirklich für unsere Umwelt interessiert und so treiben sie im Hintergrund das Vorhaben, Fracking gesetzlich zuzulassen, weiter voran. Sollte dieses Vorhaben scheitern, dürfte das Angebot unserer guten Freunde aus Amerika noch stehen, die uns ihr durch Fracking überaus billig gefördertes Gas gern verkaufen möchten. Schließlich möchte man der dortigen Bevölkerung im Gegenzug für die enormen Umweltschäden wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis präsentieren.

Und da schließt sich für mich der Kreis von Ursache und Wirkung. Hier geht es um extrem wichtige wirtschaftliche Interessen um jeden Preis. Sollte es mit den Gasplänen nicht klappen (entweder Eigenförderung in Deutschland oder Bezug aus Amerika), bleibt immer noch das lukrative Geschäft der Rüstungsunternehmen beiderseits des Atlantiks, die sich immer gern über neue Aufträge freuen und dabei auch wunderbar unparteiisch sind – denn letzten Endes ist es ja egal wo das Geld herkommt.

Quellen:

(1) http://www.janes.com/article/40908/mh017-mostly-likely-downed-by-russian-backed-separatists
(2) http://www.nachdenkseiten.de/?p=22433#more-22433
(3) http://www.nachdenkseiten.de/?p=22461#more-22461 (Punkt 1)
(4) https://www.woz.ch/1425/ukraine/krieg-der-stellvertreter-wird-heisser

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