6 teilige Reihe: Die Folgen der Privatisierung; Teil III

Privatisierung der Bildung

Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich unaufhaltsam weiter und so verhält es sich auch mit der Schere zwischen Bildungsgewinnern und –verlierern. Jahr für Jahr bestätigen Berichte dass es in kaum einem anderen hochentwickelten und wirtschaftlich erfolgreichen Land beim Thema Bildung so ungerecht zugeht wie in Deutschland und dass der Zugang zu Bildung für Kinder ärmerer Bevölkerungsschichten beziehungsweise für Kinder mit Migrationshintergrund weitaus schwieriger sei als für Kinder wohlhabender Eltern. Gebetsmühlenartig hören wir von allen Parteien dass Bildung erste Priorität für jedes Land sei und dass sich von nun an alles ändern würde. Geändert hat sich vieles, aber leider nicht zum Vorteil der Kinder und der Steuerzahler.

Viel dazu beigetragen hat PISA, die Bildungsstudie der OECD. Geschockt waren wir alle vom schlechten Abschneiden der deutschen Schüler im internationalen Vergleich, haben wir uns doch alle soviel eingebildet auf unser überlegenes deutsches Bildungssystem, aus dem Land der Dichter und Denker und hochqualifizierten Ingenieure. Was die meisten allerdings nicht wissen ist, wer hinter PISA steckt. Bei PISA arbeitet die OECD mit kommerziellen Bildungsdienstleistern zusammen, die ihre Services an Schulverwaltungen weltweit anbieten. Einige dieser Dienstleister sind private Unternehmen aus verschiedenen Ländern (Australian Council for Educational Research Ltd; Educational Testing Service aus den USA; WESTAT Inc. aus den USA; CITO aus den Niederlanden) und somit profitorientierte Teilnehmer auf einem milliardenschweren weltweiten Markt der Bildungstests.

Resultat von PISA war ein Absacken der öffentlichen Bildungseinrichtungen in der öffentlichen Meinung, plötzlich war das bisherige Schulsystem nichts mehr Wert. Damit einhergehend wurden und werden noch immer Löcher in den öffentlichen Haushalten am einfachsten mit Kürzungen im Bildungsbereich gestopft, so dass die staatlichen Bildungseinrichtungen systematisch unattraktiv gehalten werden. Eltern, die sich mit dieser schlechten Bildungssituation nicht abfinden wollen, suchen nach Alternativen und stoßen dabei unausweichlich auf das Angebot der Privatschulen, die wie Pilze aus dem Boden sprießen.
Doch damit nicht genug, der Aktionsrat Bildung schlägt eine Dezentralisierung der Schulverwaltung sowie die Überführung der Schulen in private Trägerschaft vor und auch Lehrer sollen nur noch leistungsgerecht entlohnt und befristet angestellt werden um ihre Befähigung jeweils nach Ablauf ihrer Verträge durch Prüfungen nachweisen zu müssen. Typische neoliberale Forderungen!

Ganz neu ist die Eroberung der Schulen durch die Privatwirtschaft allerdings nicht. Angefangen hat alles mit der Ausstattung mit Lehrmaterial, der großzügigen Ausstattung der Schulen mit Computern oder der Einrichtung des Chemielabors. Hinzu kamen später das Aufstellen von Getränke- und Süßigkeitenautomaten, die Auslagerung der Essensversorgung in den Schulkantinen und das Sponsern von Schulen durch privatwirtschaftliche Unternehmen. So informieren die Stadtwerke über das Thema Stromversorgung, BMW über Wasserstoff als Antriebsform der Zukunft, die Deutsche Bahn über Ökologie bei Transportunternehmen und McDonalds über gesunde Ernährung (die Experten schlechthin!). Das mag der ein oder andere als nicht besonders kritisch ansehen, schließlich darf ein Unternehmen als Gegenleistung auch ein bisschen Werbung für sich machen, aber eine wirklich objektive Meinungsbildung erlauben wir unseren Schülern damit nicht.

Hinzu kommt, dass sich in sogenannten PPPs (Public-Private-Partnership-Projekte) immer mehr Firmen nicht nur für den Bau und Betrieb (Instandhaltung Heizung etc) von Schulen und Universitäten interessieren um diese später an die öffentlichen Träger zu vermieten und damit ihre Rendite zu erwirtschaften. Immer öfter wollen diese auch bei den Unterrichtsinhalten und der Personalführung mitreden.

Universitäten scheinen heutzutage mehr in Konkurrenz zueinander zu stehen und sich um ihr Ranking zu kümmern als sich Gedanken um die Lehrinhalte zu machen. Tatsächlich ist zu beobachten, dass sogar universitätsintern Grabenkämpfe zwischen den einzelnen Studienfächern um Ressourcen ausgetragen werden, da die Hochschule nicht mehr als Ganzes betrachtet wird, sondern jede Fachrichtung wie in der Kostenrechnung typisch als Profit Center, welches Einnahmen erzielen muss. Wieweit wir uns bereits von Qualität und Inhalten bei der Bildung verabschiedet haben, zeigt der unten verlinkte Artikel aus der faz zum Thema Benotung der Schul- und Studienleistungen und was die Noten im Vergleich zu früher eigentlich noch Wert sind (Hinweis: nicht viel!). (7)

Mögliche Folgen der Privatisierung und einhergehende Verminderung der Qualität unserer Lehrpläne und Schulabschlüsse (wie von Ingrid Lohmann in ihrem unten verlinkten Artikel „Was bedeutet eigentlich Humankapital“ aufgezeichnet) (8): Die vielerorts geforderte Zweigliederung unseres Sekundarschulwesens in Gymnasien und Sekundarschulen passt wunderbar in die neoliberale Sichtweise der Welt. Die Gymnasien produzieren das qualifizierte Humankapital, während die Sekundarschulen zu Verwahranstalten für diejenigen Lohnabhängigen werden, die der kapitalistische Arbeitsmarkt nicht mehr benötigt, die aber ruhig gehalten werden müssen. Dies erfolgt durch Maßnahmen wie Hartz IV und die gelegentlichen Brot und Spiele wie Olympia, Fußball WM etc. Die anderweitig benötigten Arbeitskräfte werden billig in Rumänien, Bulgarien oder China eingekauft.

Quellen:

http://www.die-linke.de/nc/die_linke/nachrichten/detail/artikel/bildung-ist-keine-ware-bildung-muss-wieder-oeffentliches-gut-werden/
http://labournet.de/diskussion/wipo/gats/bildung.html
(7) http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/abitur-noten-werden-immer-besser-die-bildung-schlechter-12990647-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3
(8) http://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/humankapital.php
http://www.meinepolitik.de/privbild.htm (interessante Stoffsammlung zum Thema)
http://netzfrauen.com/NF/2014/07/10/ttip-selling-education/#more-15672 (Englisch)

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