Gewalt als das Allheilmittel?

Die Welt scheint zu Grunde zu gehen. Die Zahl der Krisenherde auf der Welt erhöht sich fast täglich und obwohl die Weltpolizisten USA und EU überall ihre Hände im Spiel haben, wird die Situation nicht besser sondern eher schlimmer. In der Ukraine wird noch immer gezündelt was das Zeug hält und anstatt einen Herrn Poroschenko dazu aufzufordern, sich endlich mit den Aufständigen im Osten des Landes an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln und ebenso Sanktionen für die Ukraine zu verhängen, sollten sie sich an ausgehandelte Waffenruhen nicht halten, zeigt man lieber mit dem stinkenden Finger nach Moskau. Dort sitzt der angeblich wahre Teufel, der diesen Teil der Welt in Schutt und Asche legen will. Die Gründe hierfür hat mir noch niemand glaubhaft aufzeigen können, aber vielleicht habe ich nur einfach das Problem, meinen gesunden Menschenverstand ergebnisorientiert einzusetzen und schlucke deshalb die Propaganda des Westens nicht. Aber vielleicht bin ich auch nur Putinversteher oder ein ehemaliger Ossi, der sich gern den Sozialismus zurückwünscht. All dies muss man sich dieser Tage gefallen lassen.

Auf der anderen Seite legt gerade Israel den von ihnen besetzten Gaza Streifen in Schutt und Asche und vernichtet dabei Tausende von Palästinensern, weil sie die von Israel aufgedrückte Siedlungspolitik nicht mittragen wollen und all dies wird vom Westen mehr oder weniger wohlwollend beobachtet. Israel und Amerika haben eine fast ungesunde Beziehung zueinander und Amerika wird diesem Land wohl auf immer und ewig in den Allerwertesten kriechen. Und wir Deutschen haben beim Thema Israel sowieso nichts Kritisches zu vermelden, weil es ein Österreicher vor einem halben Jahrhundert gewagt hat, Juden in Verbrennungsöfen zu stecken. Wenn immer man nun ein auch nur gehauchtes Wort der Kritik aus Deutschland an Israel und deren Politik vernimmt, schmeisst man uns sofort das Wort Antisemitismus an den Kopf und schon hat man uns am Kragen. Wir ziehen sofort den Schwanz ein und verhalten uns wie ein reuiger Hund der seinem Herrchen zu dienen gedenkt – auf alle Zeiten!

Und wo hat uns diese treudoofe Reue hingeführt? Israel vernichtet ein ganzes Volk und will dies aus seinem Heimatland vertreiben und wir klatschen Beifall. Die Juden sollten damals ebenfalls vom Adolf vernichtet werden und sie selbst haben am eigenen Leib erfahren, was dies für ein Volk und seine Psyche bedeutet. Etwas daraus gelernt haben sie aber nicht, sonst hätten sie sich auf die Fahne geschrieben, solch ein Leiden niemals wieder geschehen lassen zu dürfen; für das eigene Volk sowie für jedes andere auf der Welt lebende Volk ebenso. Anstatt über sich selbst zu reflektieren und sein eigenes Handeln kritisch zu betrachten, schreit man lieber wie ein verzogenes Kind, wenn es nicht nach dem eigenen Willen geht. Schließlich ist es viel einfacher und bequemer, sich in der ewigen Opferrolle zu sehen, als seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Und so macht man eben immer die anderen für alles verantwortlich.

Bin ich nun ein Antisemit, weil ich dies schreibe? Für den Zentralrat der Juden bestimmt, die schreien schließlich am lautesten. Für mich selbst ist es scheißegal, welcher Religion jemand angehört, solange er andere damit nicht gefährdet oder anderen ihre eigene Lebensart aufzudrücken versucht. Aber zu dieser Einsicht und Lebensart bereit sind die Israelis leider noch lange nicht.

Von Sanktionen gegen Israel hört man in Anbetracht der Greueltaten, die in Gaza geschehen nichts. Dass die Entführung der israelischen Teenager medial aufgebauscht wurde, um einen Beschuss von Gaza zu rechtfertigen, hört man in unseren amerikagetreuen Medien auch kaum. Es ist nicht zu leugnen, dass diese jungen Menschen ihr Leben verloren haben, aber Israel war bereits am Tag ihres Verschwindens bekannt, dass diese ums Leben gekommen waren. Für die Öffentlichkeit verbrachte man noch mehrere Tage damit, nach ihnen zu suchen, um den Tod dann noch tragischer und reißender präsentieren zu können und in der Zwischenzeit das Volk auf Krieg einzustimmen. Diese Strategie ist bekannt und in vielen anderen Kriegen erfolgreich zum Einsatz gekommen (ich werde in einem separaten Artikel ausführlich über dieses Thema schreiben). Jeder Verlust von Menschenleben auf beiden Seiten ist tragisch, aber rechtfertigt der Tod der Teenager einen Beschuss einer UN-Schule oder anderen humanitären Einrichtungen wie Krankenhäusern, weil sich dort angeblich Rebellen aufgehalten haben? Auch im Krieg gibt es Regeln und die besagen, dass Zivilisten soweit es geht geschont werden sollen und Kampfhandlungen nur zwischen den Kämpfenden ausgetragen werden. In den letzten Jahrzehnten beobachten wir aber zunehmend die Einbeziehung von Zivilisten, weil man deren Leiden in den Medien wunderbar für seine Zwecke nutzen kann. Leidende Kinder und trauernde Mütter haben noch immer dabei geholfen, eine kriegsmüde Bevölkerung auf Krieg einzustimmen, weil man doch die Ungerechtigkeit und das Kindersterben in der Welt beenden müsste!

Trotz fleißiger verbaler Unterstützung Amerikas und der EU (hier vor allem auch Deutschlands) für Israel haben sich die Menschen der Welt nicht täuschen lassen und die Kriegsverbrechen Israels in Demonstrationen, in Blogs und Meinungsäußerungen zu Zeitungsartikeln im Internet angeprangert und fordern eine sofortige Beendigung des Krieges. Die Situation scheint den Verantwortlichen aus den Fingern zu rinnen und so geht man dazu über, das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf einen anderen Krisenherd zu lenken, um von dem eigenen Versagen in Gaza abzulenken.

Und so bombardiert man den Irak, weil das Erstarken des Islamischen Staates (IS) mit all seinen Folgen für die betroffenen Kurden und andere Bevölkerungsteile plötzlich nicht mehr tragbar und hinnehmbar sei. Ach wirklich? Seit wann interessieren uns denn die Kurden? Die haben wir doch früher selbst mächtig bekämpft. Jetzt wollen wir ihnen sogar Waffen liefern, damit sie sich gegen die IS wehren können. Als ob wir nicht schon genug Waffen im Mittleren und Nahen Osten beziehungsweise auf der ganzen Welt hätten. Ich höre hier die Lobby der Waffenindustrie, die unseren Politikern in den Ohren liegen und davon schwafeln, die Welt durch mehr Waffen sicherer machen zu können. Und wenn sie nicht sicherer geworden ist, nachdem wir sie in Schutt und Asche gelegt haben, so haben wir doch wenigstens ein paar deutsche Arbeitsplätze gesichert. Das zählt ja auch. Vor allem im Wahlkampf daheim.

Auch das Problem im Irak ist hausgemacht und zeugt vom Dilettantismus der westlichen Welt, deren Ignoranz beziehungsweise Arroganz und Kurzsichtigkeit. Wo kommen denn die meisten Waffen her, die momentan von der IS im Kampf gegen die Kurden eingesetzt werden? Aus Saudi-Arabien, wichtiger Verbündeter Deutschlands, weil sie angeblich so stabilisierend in dieser Region tätig sind. Die Saudis (und andere Golfstaaten) haben damit jahrelang syrische Terroristen beliefert und wohlwollend das Erstarken der IS in Kauf genommen. Geliefert hat die westliche Welt auch selbst Waffen an syrische Rebellen, die angeblich nur „gemäßigt“ eingestellt waren. Dass Waffen im Krieg nicht immer in den Händen einer Gruppe bleiben und immer zu derjenigen Gruppe wandern, die sich aufgrund ihrer Schlagkraft am besten durchsetzen können, dürfte selbst den größten Idioten in Washington, Berlin etc. bekannt sein. Und was passiert, wenn die Kurden mit den Waffen, die ihnen die herzensguten Politiker des Westens jetzt gern schnellstmöglich zur Verfügung stellen wollen, die IS zurückschlagen und dann wieder zu ihren ursprünglichen Problemen zurückkehren, einen kurdischen Staat gründen zu wollen? Dies wird seit vielen Jahrzehnten verfolgt, teilweise auch mit blutigen Auseinandersetzungen in der Türkei und anderen Ländern. Dann könnten diese Waffen wieder gegen uns und unsere Verbündeten gerichtet werden und was dann? Liefern wir wieder Waffen, damit wir das Kurdenproblem lösen können?

Dass Gewalt keine Probleme löst dürften eigentlich alle wissen. Schließlich geben wir diese Weisheit sogar an unsere Kinder weiter, in der Hoffnung, dass sie sich eher verbal anstatt mit den Fäusten um eine Problemlösung bemühen. Und was ist eigentlich aus dem Grundsatz geworden, dass wir Waffen nicht in Ländern liefern, die sich gerade in kriegerischen Auseinandersetzungen entweder mit anderen Ländern befinden oder wo Bürgerkriege herrschen und sich Bevölkerungsteile gegenseitig abknallen? Ach stimmt, unsere Grundsätze haben wir ja schon vor längerer Zeit über Board geworden, auf die sollten wir uns nicht mehr berufen. Sind sowieso nur hinderlich im Geschäft mit dem Tod und um Moral, Ethik und Völkerrecht hat sich Rendite noch nie geschert. Aber auch das darf man heutzutage nicht mehr sagen, schließlich kann man doch nicht gegen Arbeitsplätze im eigenen Land sein.

Es lebe der Kapitalismus!

Klaus Stuttmann Karikaturen (14.08.2014)

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