Flüchtlingsstrom nach Bayern

Seit Wochen höre ich hier in den Nachrichten von einem angeblichen Flüchtlingsstrom nach Bayern und den Schwierigkeiten, all diese Menschen humanitär und einigermaßen komfortabel unterzubringen. Die meisten leben in Zeltstätten auf viel zu engem Raum und die Verantwortlichen weisen schon seit langem darauf hin, dass im Hinblick auf den bevorstehenden Winter endlich eine dauerhafte Lösung für diese Menschen gefunden werden muss. Der Tenor dieser Meldungen ist oft negativ besetzt, diese Leute werden als Belastung empfunden, als Eindringlinge in unsere heile Welt und als Schmarotzer, die unser hart erarbeitetes Geld verprassen.

Zum Hintergrund. Laut dem Dublin II Abkommen ist das Land, welches die Flüchtlinge und Asylsucher zuerst in Europa betreten, für diese verantwortlich und nur dort kann ein Asylantrag gestellt werden. Dies führt natürlich zu der grotesken Situation, dass die Grenzländer wie Italien mit dem Problem der Flüchtlingsströme vom afrikanischen Kontinent im Prinzip allein gelassen werden und sich andere Länder zurücklehnen und fein aus der Sache raus sind. Sinkt mal wieder ein Schiff mit Flüchtlingen vor Lampedusa sind wir wieder für ein paar Tage entsetzt und fordern schärfere Richtlinien, aber mehr kann man von den Deutschen nicht erwarten.

Inzwischen ist Italien soweit, dass es Flüchtlinge, ohne sie zu registrieren, in Züge setzt und Richtung Norden schickt, weil sie mit der Situation einfach vollkommen überlastet sind. Kommen sie dann zum Beispiel in Deutschland an, kann man sie nicht ohne weiteres nach Italien zurückschicken, weil sie offiziell nie dort gewesen sind. Man erinnere sich, dass es finanziell in Italien auch weniger gut ausschaut als im reichen Deutschland, wo wir laut Frau Merkel noch nie so hohe Steuerreinnahmen erzielt haben.

Nun schickt sich also unser reichstes Bundesland an, laut zu protestieren, weil man an ihr Geld will. Falsch verstehen soll man das bitte nicht, wir mögen Ausländer hier unten sehr, aber eben nur diejenigen, die ein Auto haben und unsere Straßen benutzen und dafür bald eine Maut bezahlen werden. Alle anderen sind Schmarotzer und sollen bleiben wo der Pfeffer wächst! Alles wahre Christen hier im Süden! Über den Länderfinanzausgleich meckern die Bayern auch schon seit Jahren und wollen diesen überarbeitet sehen, schließlich würden sie für alle anderen Bundesländer mit zahlen. Dann sollte sich doch Bayern mal an den Kosten für Berufsschulen, Universitäten etc. in anderen Teilen des Landes beteiligen, schließlich wandern aufgrund des enormen Lohngefälles sehr viele gut qualifizierte Fachkräfte aus den anderen Bundesländern nach Bayern ab. Davon profitiert Bayern mehr als andere und hat sich komischerweise noch nie über diese Situation echauffiert.

Mein Vorschlag wäre, endlich mal wieder eine gerechte Steuerpolitik in Deutschland zu betreiben und die hohen Einkommen und Vermögensgewinne zu besteuern, denn Vermögen ist in Deutschland mehr als genug da. Genug, dass wir diesen Flüchtlingen eine menschengerechte Unterbringung und Behandlung gewähren können. Nur leider entziehen sich die Reichen ihrer sozialen Verantwortung und alles wird auf die Mittelschicht abgewälzt.

Weiterhin sollten wir uns mal wieder vor Augen halten, dass wir alle Menschen sind und dass niemand besser ist als der andere, nur weil er in einem anderen Land geboren wurde. Warum sind uns diese Menschen weniger Wert als wir selbst? Liegt es an ihrer Hautfarbe oder an der anderen Kultur? Sind wir schon so geblendet vom Kommerz und bereits so eingebettet in diese Leistungsgesellschaft, dass uns unser Wohlstand so viel wichtiger ist als die Versorgung dieser Menschen mit lebensnotwendigen Dingen, die für uns ganz selbstverständlich sind? Haben wir überhaupt eine Ahnung, was es bedeutet, kein Dach über dem Kopf zu haben, kein fließendes sauberes Wasser, keine medizinische Versorgung, nichts zu essen und keine Kleidung? Wo sind sie geblieben, unsere viel gepriesenen westlichen (christlichen) Werte, wenn wir jeden Hilfsbedürftigen mit den Füssen treten und behandeln wie einen Pestkranken, den wir gar nicht wieder schnell genug loswerden können. Wir haben so viel Angst davor, unseren Besitz zu verlieren und unseren hart erarbeiteten Wohlstand aufzugeben, dass wir das teilen verlernt haben.

Eine viel einfachere Lösung wäre allerdings, das ganze Übel an der Wurzel zu packen und zwar dort, wo der Konflikt beginnt. Im Herkunftsland dieser Menschen. Viele Menschen kommen aus Syrien, Irak und anderen afrikanischen Ländern, wo kriegerische Auseinandersetzungen herrschen. Wie gut unsere Politiker darin sind, solche Auseinandersetzungen zu schüren, sehen wir wieder momentan, wo uns Waffenlieferungen als die einzige Lösung verkauft werden. Waffen, die das Grund des ganzen Übels sind! Egal in welchen Händen, sie führen immer zu Gewalt, zu Elend und Hass demgegenüber, der sie trägt. Es gibt keinen guten Einsatz von Waffen, das muss uns klar werden!

Mir ist bewusst, dass es in Deutschland eine große Waffenindustrie gibt und daran logischerweise auch sehr viele Arbeitsplätze hängen. Aber rechtfertigt unser Wunsch nach Arbeit und unser Bedürfnis danach, unsere Familien zu ernähren die Tatsache, dass andere Familien mit Hilfe dieser Waffen auseinandergerissen werden? Dass ganze Volksstämme ausgerottet werden? Dass ganze Generationen von Kindern ihre Unschuld und Kindheit verlieren, weil sie in Kinderarmeen gesteckt und zum kaltblütigen Töten ausgebildet werden? NEIN. Wir sind nicht besser als diese Menschen und haben daher auch nicht das Recht, diese Familien für unseren Wohlstand zu opfern.

Wollen wir also etwas gegen die Flüchtlingsströme tun, sollten wir nicht gegen die Flüchtlinge demonstrieren. Sie sind nur ein Symptom des Übels. Wir müssen gegen Waffen und ihren Einsatz demonstrieren. Wir müssen uns dagegen wehren, dass unsere Bundesregierung mal wieder das Parlament übergangen hat und sich bereits beschlossene Waffenlieferungen formgerecht abnicken lässt. Und unser Parlament tut es auch noch! Entweder haben sie noch nicht bemerkt, dass ihre Funktion der Kontrolle der Regierung total gegenstandslos geworden ist und sie nur noch Scheinfunktionen wahrnehmen oder ihnen ist es egal. Aber dann können wir sie auch alle absetzen und das Geld für sinnvollere Zwecke einsetzen! Zum Beispiel für die Opfer dieser Kriege!

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