Tierhandel und die Folgen

Man sollte meinen, dass das Halten und Züchten von exotischen Tieren strengen Auflagen und Schutzbestimmungen unterliegen und die Halter dieser Tiere in einer Kartei oder ähnlichem registriert werden müssen. Dem ist aber nicht so. In Amerika gibt es in einer handvoll Bundesstaaten überhaupt keine Gesetze gegen die private Haltung von exotischen Tieren. Wenn man einen Hund halten will, braucht man eine Lizenz, kauft man sich einen Löwen oder Bären, interessiert das niemanden. Wer glaubt, dass diese Fälle äußerst selten vorkommen und deshalb eine rechtliche Regelung nicht unbedingt erforderlich ist, täuscht gewaltig. In den USA, so sagen Experten, gibt es mehr Löwen und Tiger in privater Tierhaltung, als in Zoos und registrierten Einrichtungen!

Katzen und Hunde, selbst Ratten oder Schlangen sind vielen Leuten nicht mehr hipp genug, sie wollen hervorstehen aus der Masse der Tierbesitzer und wollen es gern einen Tick exotischer. Andere fühlen sich als Missionare und meinen etwas Gutes zu tun, indem sie bedrohte Tierarten erwerben und zu Hause züchten. Von den wahren Bedürfnissen der Tiere oder deren natürlichen Verhaltensweisen haben sie oft keinen blassen Schimmer. Sie meinen, mit nur genügend Zuneigung und Pflege den Tieren ein schönes Zuhause bieten zu können. Viele kaufen sich die Tiere ganz spontan auf einem Markt oder auf illegalen Börsen im Internet und kaufen sich süße Jungtiere, um ihre Familie mit einem neuen Mitglied zu entzücken. Dabei werden oft Tigerjunge, kleine Affen oder Kängurus gekauft, weil diese so süß und unschuldig aussahen. Mit der Zeit kommt das böse Erwachen, wenn sie plötzlich größer werden, Unmengen an Futter benötigen oder beim Spielen plötzlich Menschen verletzen. Dann sind die Tiere plötzlich draußen angekettet und nicht mehr zum Schmusen geeignet. Andere Besitzer wiederrum geben zu, in den Tieren einen Ersatz für Freundschaften, Partnerschaften oder Familien zu sehen und leben mit ihrem Privatzoo in Abgeschiedenheit. Und von Zoos kann teilweise wirklich die Rede sein. Es gibt Fälle in den USA wo Leute Kängurus, Lemure, Muntjakhirsche, Hängebauchschweine und Wickelbären in einem Haushalt besitzen, andere wohnen mit Giftschlangen und Skorpionen zusammen, und andere nennen Löwen, Kapuzineraffen, Bären und Wölfe ihr eigen. Viele behaupten, sie wollen das Wilde in sich selbst wiederentdecken und das könnten sie nur mit Hilfe dieser wilden Tiere.

Wie es den Tieren dabei geht, fragen die wenigsten. Sie verwechseln die Dankbarkeit der Tiere, die diese zweifelsohne fürs Füttern und Umsorgen verspüren, mit artgerechter Haltung und meinen, nur weil sie sich bei der Haltung der Tiere wohl fühlen, würden sie gleichzeitig auch im Wohle und Interesse dieser Tiere handeln. Aber wie kann es im Interesse eines Löwen oder eines Tigers sein, sein Leben lang in einem Käfig eingesperrt zu sein?

Im Oktober 2011 gab es im Bundesstaat Ohio in Amerika, wo man vor diesem Vorfall keine Erlaubnis für das Halten von Exoten benötigte, einen Vorfall wo der Besitzer von 50 wilden Tieren (darunter Löwen und Tigern) diese aus ihren Käfigen entließ und sich dann das Leben nahm. Es kam wie es kommen musste, die Tiere stellten eine Gefahr für die Allgemeinheit dar und mussten vom örtlichen Sheriff erschossen werden.

Viele der Besitzer besitzen übrigens keinerlei Erfahrung oder Qualifikationen im Umgang mit solchen Tieren. Oftmals sind sie nach einer Weile überfordert und können entweder finanziell nicht mehr für sie sorgen oder wissen einfach nicht, was artgerechte Haltung von Tieren bedeutet. Solche Tiere haben es noch schlimmer getroffen als die, die wenigstens gut umsorgt werden, denn oft werden sie von Tierrettungsorganisationen verwahrlost, verletzt und teilweise sogar krank aufgefunden. Die Auffangstationen sind voll von diesen Tieren und auch sie stoßen an ihre Grenzen, schließlich können sie nur so viele Tiere aufnehmen, wie sie auch versorgen können. Die zuständigen Behörden in Amerika haben immer mehr Schwierigkeiten, konfiszierte Exoten artgerecht in alternativen und registrierten Einrichtungen unterzubringen.

Wie schon erwähnt, haben andere Besitzer wiederum keine Ahnung von den natürlichen Verhaltensweisen ihrer Tiere. Im Kleintieralter mag ja alles noch gut gehen, da sind sie alle verspielt und tun nichts, aber wenn der Jagdtrieb einsetzt, sind selbst die kuscheligsten Tiger keine Plüschtiere mehr. Genauso beim Einsetzen der Geschlechtsreife. Auch einem brünstigen wilden Tier sollte man nicht in die Quere kommen.

Einsicht zeigen diese Leute leider nicht. Es gibt Organisationen, die sich für das Recht aussprechen, privat exotische Tiere halten zu dürfen, schließlich habe es diese Fälle schon immer gegeben; Könige hätten sich schon seit eh und je exotische Tiere gehalten. Andere wiederum argumentieren, dass ein Verbot sowieso nichts bringt, weil man es weiterhin tun würde, ähnlich wie beim Verbot von Alkohol und Prostitution. Recht haben sie zumindest in dem Punkt, denn es ist bewiesen, dass selbst in den US Bundesstaaten, wo es Gesetze und Verbote gegen die private Haltung von Exoten gibt, diese gut und gerne umgangen werden. Wenn diese Gesetze strenger kontrolliert und Straftäter härter bestraft würden, hätte sich dieses Problem sehr schnell von selbst gelöst, aber entweder besteht daran kein Interesse oder man hat einfach nicht genügend Personal.

Wie kommen die Amerikaner an diese Tiere? Oft werden sie auf illegalen Auktionen auf Parkplätzen oder in irgendwelchen Scheunen von zwielichtigen Züchtern angeboten, die nur auf das schnelle Geld aus sind. Und gelangweilte reiche Amerikaner, die Lust auf was Neues oder Ausgefallenes haben, zieren sich nicht, tausende von Dollar für diese Tiere zu zahlen. Es wird berichtet, dass diese Züchter locker hunderttausende Dollar an einer Auktion verdienen können!

Wer glaubt, dass sich der Handel mit Exoten nur auf Amerika beschränkt, der täuscht. Zwar habe ich keine Informationen über in Deutschland illegal gehaltene Tiger oder Löwen gefunden, aber der Handel boomt trotzdem. Vor allem mit kleineren Tieren, die man recht gut im Gepäck verstecken kann oder die zur Not auch mal im Paket verschickt werden können.

Hervorzuheben ist hier die Firma U.S. Global Exotics (USGE) in Texas, die weltweit mit exotischen Haustieren ihr Geld verdient und u.a. auch exotische Säugetiere, Reptilien, Amphibien und Spinnen nach Deutschland verkauft. Nach Recherchen von PETA wurden im Jahre 2008 insgesamt 60.465 Tiere an namenhafte deutsche Händler verkauft, in 2009 über 50.000 Tiere.

Bei einer Razzia von PETA bei USGE wurden über 26.000 Tiere aus dem Betrieb gerettet, darunter Faultiere, Wickelbären, Nasenbären, Chinchillas, Wüstenrennmäuse, Frettchen, Eidechsen, Schildkröten uva. Die vorgefundenen Haltungsbedingungen waren erschreckend.

Hier nur einige Dinge, die man vorfand:
• Nur drei oder vier Mitarbeiter waren damit betraut, sich um zehntausende Tiere zu kümmern. Die Tiere erlitten Schreckliches in den überfüllten und dreckigen Behältern – unter anderem wurden sie in Getränkeflaschen, Katzenklos, Futtertrögen und Drahtkäfigen gehalten. Hunderten Tieren wurde Nahrung, Wasser und tierärztliche Versorgung vorenthalten.

• Hunderte kranker, verletzter und sterbender Tiere wurden getötet, indem man sie in den Gefrierschrank legte. Einige von ihnen, wie beispielsweise ein Eichhörnchen mit schweren Verletzungen am Hals und ein Chinchilla mit einem Analprolaps, überlebten dies noch stundenlang.

• Unzählige wild gefangene Tiere wurden ihrer natürlichen Umgebung entrissen und in langen Transporten zu USGE gebracht. Dort erwarteten sie grausame Haltungsbedingungen. Einige ließ man tage- oder wochenlang in Kissenbezügen, Versandboxen oder Getränkeflaschen ohne Nahrung oder Wasser oder man verwehrte ihnen Grundbedürfnisse wie Wärme oder Feuchtigkeit.

• Exotische Tiere – von denen einige gefährdeten Arten angehörten – waren dauerhaft in kahlen Boxen, Vogelkäfigen und Futtertrögen untergebracht, manchmal monate- oder jahrelang. Viele entwickelten daher durch Stress ausgelöste gestörte Verhaltensweisen, wie das ständige Hin- und Herlaufen, Verkrallen oder Kämpfe um Platz und Nahrung.

• Hunderte Leguane und andere Echsen wurden nach ihrer Ankunft nicht ausgepackt und starben in den Transporttaschen, Kisten oder Transport“bechern“. Mindestens 12.000 Wasserschildkröten blieben wochenlang im Lagerraum des Betriebs in ihren Boxen und erhielten weder Nahrung noch Wasser, Licht oder ausreichende Belüftung. An nur einem Tag wurden 657 tote Wasserschildkröten verzeichnet.

• Am Tag der Beschlagnahmung wurden über 200 verwesende Leguane aus Taschen herausgeholt, in denen sich noch einmal beinahe genauso viele lebende Leguane befanden. Sie wurden im kalten Lagerraum von USGE in Holzboxen aufbewahrt und hatten fast zwei Wochen lang weder Nahrung noch Wasser. Die Tiere sollten nach Ägypten versandt werden.

• Grüne Laubfrösche wurden bei USGE wochenlang in Getränkeflaschen in einem Karton im Waschraum des Betriebes gehalten. Niemand wurde damit betraut, sich um sie zu kümmern. So erhielten die Tiere wochenlang keine Nahrung oder Wasser. Als es an der Zeit war, die kleinen und empfindlichen Tiere zu verschicken, schüttelten einige Mitarbeiter die Tiere gewaltsam aus den Flaschen und zogen sie an ihren Beinen heraus. (2)

Ehrlich gesagt fehlen mir bei diesen Beobachtungen die Worte. Wut empfinde ich auch. Beim Lesen musste ich immer wieder an folgende Sprichwörter denken, die diesen Leuten auf die Stirn tätowiert werden sollten:

Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Den Zustand einer Gesellschaft kann man daran erkenne, wie mit Tieren umgegangen wird.

Was bleibt ist meine persönliche Feststellung, dass die Menschheit so nicht weiter machen kann. Wir beuten die Natur aus und zerstören unsere Umwelt, verbrauchen gierig alle vorhanden Ressourcen, misshandeln, quälen und töten Tiere ohne ein Recht darauf oder einen plausiblen Grund dafür zu haben und vernichten uns sogar gegenseitig. Eigentlich ist es doch so einfach. Alle Menschen sind gleich, sie mögen eine andere Hautfarbe haben, einen anderen Gott anbeten, andere Kleidung tragen oder andere Bräuche verfolgen als wir. Aber wir alle reagieren positiv auf ein Lachen, wir lieben unsere Kinder, wir möchten unsere Familien schützen und ein erfülltes Leben führen. Warum schaffen wir dies nicht im Einklang mit der Natur und anderen Lebewesen ?

 

Quellen:

National Geographic, englische Ausgabe, April 2014, “Wild Obsession: The perilous attraction of owning exotic pets”, ab Seite 96

(2) http://www.peta.de/usge#.VB3BI1fzPgU

http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/entlaufene-exoten-wenn-die-python-im-park-lauert/4463678.html

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