Stoppt diesen Weihnachtswahnsinn!

Alle Jahre wieder…. steht Weihnachten irgendwie viel zu früh vor der Tür und hat es versäumt, sich mit der zu spät eintreffenden Weihnachtsstimmung abzustimmen. Und so stehen die Lebkuchen schon im September im Laden, wenn die meisten noch sehnsüchtig an ihren Sommerurlaub zurückdenken. Im September können wir uns dem Weihnachtswahn aber noch irgendwie entziehen in dem wir Lebkuchen und Pfeffernüsse tapfer ignorieren und die alltäglichen Einkäufe ohne jegliches Jahrezeitgefühl erledigen. Wochen später holt uns die Realität wieder ein, wenn der ein oder andere im Bekannenkreis nach Wünschen für Weihnachten fragt oder die Kinder viel zu lange und unrealistische Wunschzettel für den Weihnachtsmann verfassen. Dann ist sie wieder da, die Panik und der Schweißausbruch, weil man keine Ahnung hat, was man schenken soll. Eigentlich haben sie ja schon alles und eigentlich wollte man doch mal ein bißchen Geld beiseite legen. Da hilft es kaum, wenn man Statistiken hört, dass jeder Deutsche im Durchschnitt über 400 Euro für Geschenke ausgibt und der Druck auf sich selbst und den eigenen Geldbeutel wächst. Sind wir schlechte Eltern, wenn wir weniger für die Kinder ausgeben? Sind wir schlechte Söhne oder Töchter, wenn wir unseren Eltern etwas schenken, was unter dem Durchschnitt liegt?

Spätestens nach dem ersten Advent sind die Dämme der Werbewirtschaft gebrochen und man unterbreitet uns ungefragt und ohne Unterbrechung Geschenkevorschläge. Wie wäre es mit teurem Schmuck für die Liebste (natürlich im Sonderangebot). Oder einem neuen Handy für den Schatz? Ein neuer Laptop könnte auch mal wieder her und Klamotten kann man sowieso immer gebrauchen. Für den Papa mal wieder das neueste Werkzeug, das später unbenutzt im Keller steht und für die Mama vielleicht eine neue Küchenmaschine, die später nur kostenbaren Platz in der Küche stiehlt und Staub fängt. Für die Kinder muss es wenigstens ebenso ein neues Handy sein, eine Playstation oder die neueste Lego Edition, am besten gekoppelt mit anderen großen Marken wie der Hobbit, Star Wars oder Comic Helden. Wem wirklich nichts einfällt und sich durch diese netten Vorschläge nicht weiterhelfen lässt, greift zum allseits funktionierenden Notgeschenk; Aftershave, Duschbad (gern auch im Pflegeset), Parfüm, Krawatten, Socken und ein 10er Pack Boxershorts in 5 verschiedenen Farben. Oder ein Gutschein von IKEA, Amazon und Co.. Da muss man sich keine großen Gedanken über die Vorlieben des Beschenkten machen, kann aber trotzdem mit einem Geschenk glänzen und hoffen, dass man auch im nächsten Jahr wieder im Gegenzug ebenso mit einem (meist weniger sorgfältig ausgewählten) Geschenk beehrt wird. Das Gewissen ist beruhigt und der Handel lacht sich dumm und dämlich.

Schaut man sich zu dieser Jahreszeit die Großstädte und ihre Einkaufspassagen an, könnte man vor Scham im Boden versinken. Da irren Tausende von Menschen ziellos von einem Kaufhaus zum anderen, treten sich im Entengang in jedem kleinen Shop die Füße wund und besaufen sich auf den Weihnachtsmärkten literweise mit Glühwein, um den ganzen Stress zu überstehen und vergessen dabei, worum es wirklich geht. Wenn ich dann noch das Klagen der Leute über all den Geschenke-Auswahl-und-Kaufen- Stress höre und wie ihnen irgendwie die Besinnlichkeit abhanden gekommen ist, könnte ich kotzen. Besinnlichkeit findet man in keinem Kaufhaus, wo man von frühs bis spät dauerbeschallt wird mit Last Christmas und allem möglichen anderen Weihnachtsgedudel.

Was läuft falsch? So ziemlich alles! Ist Weihnachten nicht das Fest der Liebe, der Besinnlichkeit, der Zweisamkeit mit der Familie, die Zeit des sich Besinnens auf das Wesentliche im Leben, die Zeit sich auch für andere einzusetzen, die es nicht so glücklich getroffen haben wie wir? Von diesen Menschen sieht man sehr viele in den Einkaufspassagen sitzen, wenn man nur genügend Aufmerksamkeit an den Tag legt und hinschaut. Man sieht ihnen an wie schlecht es ihnen geht, sie haben Hunger und frieren und oftmals haben sie nicht mal ein Dach über dem Kopf. Wie verkehrt muss ihnen die Welt vorkommen, wenn Menschen mit Einkaufstaschen vollbeladen an ihnen vorbeikommen, aber nicht mal ein paar Euro übrig haben?

In den letzten Wochen habe ich mir oft Gedanken darüber gemacht, wie wir dieses Weihnachten etwas anders machen können. Erstens um uns Weihnachten und seine Bedeutung wieder näher zu bringen und zweitens um dem Konsumwahn und dem damit einhergehenden Profitwahn einiger Akteure ein Schnippchen zu schlagen. Damit tun wir nicht nur was für uns und unser direktes Umfeld, sondern können durch bewusste Kaufentscheidungen Verantwortung gegenüber der Umwelt, der Tierwelt und anderen Menschen übernehmen und ein Zeichen setzen gegen die Ausbeutung von Arbeitskräften, natürlichen Ressourcen und Tieren.

  1. Daunenjacken und –betten
    Das hat nicht unbedingt etwas mit Weihnachten zu tun, gehört aber gerade auch in diese Jahreszeit, wo Daunenjacken und –westen sehr beliebt sind, weil sie wunderbar warm halten. Den wenigsten dürfte dabei bekannt sein, dass trotz Verbots auch in der EU Gänse gequält und bei lebendigem Leib bis zu 5 Mal gerupft werden, vor allem in vielen osteuropäischen Ländern, von denen verstärkt auch nach Deutschland geliefert wird. Vielen Tieren werden beim Rupfen tiefe Risse zugefügt, die anschließend ohne Betäubung vernäht werden. Das Problem ist bekannt, gemacht wird nichts, weil starke wirtschaftliche Interessen dahinter stehen. Eine Lücke im Gesetz erlaubt es, Gänse während der Mauser zu rupfen, weil dies den natürlichen Prozess fördere. Wer sich Videos von diesen Gräueltaten ansieht kann nichts Natürliches an diesem Vorgang feststellen. Irgendwann darf die Gans dann sterben und landet zu Weihnachten auf unseren Tellern. (1)

    Solange wir Gewalt gegen Tiere und deren Misshandlung zulassen, können wir keine friedliche Gesellschaft sein, in der uns das Wohlbefinden aller Lebewesen am Herzen liegt. Solange wir Gewalt gegen andere dulden (Mensch oder Tier) brauchen wir uns über Auswüchse wie Folter nicht zu wundern, weil wir uns immer auf eine Stufe höher stellen als das Lebewesen, welches wir misshandeln. Und in dieser Situation ist kein Frieden möglich. Nicht mit uns selbst und nicht mit anderen.

  2. Verweigert den Konsum!
    Weihnachten kommt es nicht auf die Geschenke an oder darauf, wie teuer sie waren. Es geht um den Akt des Schenkens und die Reaktion, die das Geschenk bei dem Gegenüber hervorruft. Und ich möchte behaupten, dass diese Reaktion bei selbst erschaffenen Geschenken weitaus positiver und dankbarer ausfällt als bei hastig zusammen gekauften Geschenken, die in keinster Weise eine Verbindung mit dem Beschenkten haben.Zeit ist ein Geschenk, welches höchstwahrscheinlich auf große Zustimmung stößt, beklagen wir uns doch alle, viel zu wenig davon zu besitzen.

    Wie wäre es also mit einem Wellness Gutschein für die Mama, das Angebot zum Babysitten für das junge Paar, das Versprechen beim nächsten Wintereinbruch den Schnee zu räumen oder der anvisierte Kochkurs beim Asiaten um die Ecke. Wir sollten wieder dazu übergehen Dinge von (persönlichem oder zeitlichen) Wert und von Dauer zu schenken, die nicht nach ein paar Wochen oder Monaten im Müll oder ungenutzt in der Ecke landen. Früher gab es doch auch nur Nüsse und Orangen zu Weihnachten und die Menschen waren zufrieden. Vielleicht sollten wir wieder lernen, mit weniger zufrieden zu sein und nicht immer mehr von den anderen zu verlangen. Dieses Mehr kann uns nicht geben, wonach wir suchen, schafft keine Zweisamkeit oder glückliche Momente sondern meistens leider nur innere Leere.

  3. Bei uns ist es zur Tradition geworden, an Weihnachten mal wieder die alten Fotoalben raus zu kramen und in Erinnerungen zu schwelgen. Über Erlebtes zu lachen, sich gemeinsam zu erinnern und Revue passieren zu lassen über das Geschehene, Erreichte und das nicht-Erreichte. Dieser Austausch ist meiner Meinung nach wichtiger als alle Geschenke dieser Welt!
  4. Weihnachtsbäume
    Beim Thema Weihnachtsbaum gibt es zwei hartgesottene Lager. Die einen stellen sich einen künstlichen Baum ins Haus, weil er erstens nicht nadelt, zweitens nicht riecht und man sich drittens nicht jedes Jahr ins Getümmel um einen neuen Baum stürzen muss. Den anderen kommt so ein künstliches Ding nicht in die Bude und so werden jährlich Millionen Tannen für ein kurzes Vergnügen abgeholzt und landen später auf dem Müll. So gehen wir mit Mutter Natur und ihren knappen Ressourcen um.

    Ja diese Bäume werden doch speziell für Weihnachten gezüchtet, sagen die Befürworter des echten Baumes. Wohl war, aber wer gibt uns das Recht, über die Natur in diesem Ausmaß zu entscheiden?Wir tun ja gerade so, als wenn es unsere Natur wäre, zu unserer freien Verfügung für unser eigenes Vergnügen. Wann begreifen wir endlich, dass Mutter Natur nur dann ausreichend für uns sorgen kann, wenn wir im Gegenzug auf sie Acht geben und Raubbau egal welcher Ressourcen beenden? Wir führen uns auf wie der Schöpfer der wir gar nicht sind!

  5. Silvesterknallerei
    Ja das Feuerwerk sieht gut aus und leitet das neue Jahr ein, während wir uns in den Armen liegen und vom alten verabschieden. Das haben wir schon immer so gemacht und warum sollten wir dies ändern? Ich sag Euch warum. Weil das Geld an vielen anderen Ecken und Enden gebraucht wird und Vater Staat seiner sozialen Fürsorgepflicht leider nur noch unzureichend nachkommt und wir als Gesellschaft immer häufiger aushelfen müssen.

    Dabei bedarf es oft nur kleiner Gesten. Zum Beispiel könnten wir all das Geld, das wir gewöhnlich fürs Ballern und Knallereien ausgeben einem guten Zweck spenden. Das klingt langweilig und nach viel zu wenig Spass und was machen wir denn beim Anstoßen, wenn wir das neue Jahr nicht mit einem Feuerwerk begrüßen können? Ich glaube, wir können ganz gut ohne das Feuerwerk leben und werden, auch mit dieser kleinen Einschränkung, einen tollen Jahreswechsel feiern können. Der Unterschied ist, dass sich tausende Hilfsbedürftige auf mehr Unterstützung freuen können und das sollte uns ein Silvester ohne Feuerwerk Wert sein!

  6. Und da komme ich zu meinem letzen Punkt. Besinnt Euch auf Eure Familie und das wirklich wichtige in Eurem Leben und helft denjenigen, die es weniger gut getroffen haben. Dafür muss man nicht ins Ausland gehen, Hilfe wird auch hier in Deutschland benötigt. Denkt an die vielen Flüchtlinge, die aus warmen Ländern zu uns gekommen sind und vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben einen kalten Winter erleb en müssen. Flüchtlinge, die in einigen Flüchtlingsheimen in Bayern in ihren ersten Tagen ohne Decken auf dem Boden übernachten mussten, weil die Behörden nur unzureichend vorbereitet waren. Diese Leute haben ihr Land nicht für einen Urlaub oder ein Abenteuer verlassen, sie mussten vor Krieg, Vertreibung und Verfolgung flüchten.Sie brauchen Kleidung, Nahrung, Zuwendung, Dolmetscher, Sprachunterricht, Kinderbetreuung, medizinische und psychologische Betreuung und nach hoffentlich erfolgreichem Asylverfahren Hilfe bei der Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt.

    Für all diese Dinge wird Geld gebraucht, aber auch ehrenamtliche Helfer, die ihre Freizeit und ihre Wochenenden opfern, um für andere da zu sein. Wem dies zu viel ist, kann auch spenden und wer sich dabei von den großen Hilfsorganisationen und den bekannt gewordenen Skandalen um den Missbrauch von Spendengeldern berechtigterweise abgeschreckt fühlt, sollte sich mal in seiner Stadt oder Gemeinde umhören, ob nicht dort gemeinnützige Projekte laufen, die Unterstützung benötigen. Oft wird man erstaunt darüber sein, was im unmittelbaren Umfeld existiert, ohne dass man davon wusste. In den letzten Wochen bin ich auf zwei Aktionen gestoßen, die ich kurz vorstellen möchte und die sicherlich ein guter Anlaufpunkt für denjenigen sind, der sich gern (finanziell, materiell oder in Person) engagieren möchte.

    Dies ist zum einen der Sternstunden e.V. (2) für den der Radiosender Bayern 1 letzte Woche über 6 Millionen Euro Spenden gesammelt hat und lokalen gemeinnützigen Projekten zur Verfügung stellt. Zum anderen die dm Initiative HelferHerzen (3), die jährlich ehrenamtliches Engagement auszeichnet. Über gezielte Recherche kann man bei diesen gut aufgestellten Initiativen sicher das ein oder andere Projekt finden, in dem man sich selbst auch engagieren kann.

    Hilfe wird auch an anderer Stelle benötigt. Auf der Nordhalbkugel steht uns der Winter bevor und nicht überall ist er so mild wie bei uns. Die Opfer von IS(IS) im Irak werden bei all den militärischen Einsätzen vollkommen im Stich gelassen und bereiten sich gerade auf einen harten Winter im Gebirge vor. Sie haben keine Decken, keine medizinische Versorgung und kaum Lebensmittel. Anderswo in der Ostukraine gibt es in vielen Städten kein Gas mehr und so können die Leute auch dort nicht mehr heizen und blicken in eine ungewisse Zukunft. Es gibt Organisationen und private Initiativen, die auf eigene Faust warme Decken, Kleidung, Mäntel, Schuhe usw in die Ostukraine gefahren haben um den Menschen dort zu helfen, weil sie von ihrer eigenen Regierung in Kiew keine Hilfe zu erwarten haben. Vielleicht sollten wir uns all diese frierenden Menschen in allen möglichen Teilen dieser Welt vorstellen, wenn wir mal wieder in einem vollgestopften Kaufhaus stehen und uns fragen, was wir hier eigentlich tun.

    ————————————–
    Ich wünsche all meinen Lesern eine besinnliche und ruhige Vorweihnachtszeit ohne verlorene Lebenszeit in einem überfüllten Kaufhaus, dafür viel Zeit für die Familie und die Rückbesinnung auf die Dinge, die Euch wichtig sind. In jeder Familie gibt es gewisse Weihnachtstraditionen und ich wünsche Euch für diese viel Freude und Glücksmomente. Wenn wir uns beim Treffen nach den Feiertagen nicht sofort nach den Geschenken erkundigen sondern eher danach, wie man die Tage im Kreis der Familie verbracht hat, sind wir auf dem richtigen Weg!

    Quellen:
    (1) http://www.taz.de/!29920/(2) http://www.sternstunden.de/aktionen/sternstunden-tag/im-hoerfunk/bayern-1/
    (3) http://www.dm.de/de_homepage/helferherzen/

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