Serie: organisierter Terror der NATO in Europa_Deutschland

nato geheimarmeenAls ich gefragt wurde, warum ich am 07. Februar 2015 in München gegen die sogenannte Sicherheitskonferenz der NATO demonstriert habe, habe ich mich oft nur knapp geäußert. Zu tiefgründig und umfangreich sind die Gründe, warum man als friedlebender Mensch gegen die NATO einstehen sollte. Dennoch habe ich das Gefühl, dass die Begründung, man sei für den Frieden auf der Welt und dass dieser mit der NATO nicht zu erreichen sei, nur unzureichend erklärt, warum wir die NATO eher als Wolfs im Schafspelz sehen sollten und nicht als das Verteidigungsbündnis, als welches sich diese Organisation gern präsentiert.

Schon seit längerer Zeit lese ich das Buch von Daniele Ganser „NATO Geheimarmeen in Europa“, der sich ausführlich mit den von Amerika aus gesteuerten Geheimarmeen in Europa beschäftigt hat. Der Inhalt ist harter Tobak und vielen vollkommen unbekannt. Und gerade deswegen ist dieses Buch so wichtig, weil es ein komplett neues Licht auf die NATO wirft. Der Inhalt ist zu wichtig, als ihn nur in einem Blog Beitrag abzuhandeln, deswegen werde ich dies in einer Serie tun. In den einzelnen Teilen werde ich, wie Herr Ganser auch, auf die Geheimarmeen in verschiedenen europäischen Ländern eingehen und die Abhandlungen von Herrn Ganser zusammenfassen. Ich ermutige jeden, sich das Buch zu Gemüte zu führen um u.a. zu verstehen, warum es gerade für die Politiker in Deutschland, im Gegensatz zur Bevölkerung, kein Problem darzustellen scheint, dass man in der Ukraine mit einer von Faschisten durchzogenen Regierung zusammenarbeitet und keinen Anstoß daran findet. Nachdem man dieses Buch gelesen und ein wenig in unserer Nachkriegsgeschichte gestöbert hat, wird einem so manches in Sachen Faschisten Sympathien klar ….. und die NATO hat einen großen Anteil daran.

Der Schweizer Daniele Ganser befasste sich im Rahmen seiner Doktorarbeit im Fachgebiet Geschichte mit dem Phänomen Gladio und schaffte es durch Einblicknahme in (parlamentarische) Untersuchungsberichte, Zeugenaussagen und teilweise veröffentlichte Dokumente aus den Geheimdienstarchiven ein Bild davon zu zeichnen, wie es ein Netz aus Geheimdiensten, Militärs und wenigen eingeweihten Politikern schaffte, Europa politisch aber auch militärisch und gesellschaftlich zu beeinflussen und in eine den USA angenehme Richtung zu lenken.

Einleitung: Die Situation in Europa nach den Weltkriegen
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden in Europa geheime Armeen von der amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) und dem britischen Secret Intelligence Service (MI6 oder SIS) eingerichtet. Ziel war es, den Kommunismus in Westeuropa zu bekämpfen. In allen Ländern führten militärische Geheimdienste die antikommunistische Armee innerhalb des Staates in enger Zusammenarbeit mit der CIA oder dem MI6 ohne das Wissen der nationalen Parlamente oder der Bevölkerung. Nur führende Politiker der Executive (Premierminister, Präsidenten, Innenminister, Verteidigungsminister) waren in die Organisation eingebunden. In allen Ländern wurden die Geheimarmeen, die überall andere Namen trugen, mit Waffen, Sprengstoff, Funkgeräten und anderem Material ausgestattet, mit denen man zahlreiche gute versteckte Waffenlager anlegte. Die Idee war die, dass im Falle einer sowjetischen Invasion in Westeuropa die Soldaten der Geheimarmeen ein sogenanntes Stay-behind-Netzwerk gebildet hätten, um hinter feindlichen Linien zu operieren, Widerstand zu organisieren und für Verwirrung und Zerstörung beim Feind zu sorgen. So sollten sie zum Beispiel Nachschublinien und Produktionszentren der Besatzungsmächte sabotieren.

Nach Ende des faschistischen Krieges in Europa waren die kommunistischen Parteien in Europa zahlenmäßig stark vertreten und beliebt, weil die Bevölkerung nach den Schrecken des Krieges verständlicherweise einen Neuanfang wagen und politisch andere Wege gehen wollte. Die Strategen in Washington und London sahen darin die eigentliche Gefahr und so wurde auch ohne sowjetische Invasion ein Kampf gegen die politischen sozialistischen und kommunistischen Kräfte in den jeweiligen Ländern geführt.

„Die Operationen zielten immer darauf ab, unter der Bevölkerung möglichst viel Angst zu schüren. Das reichte von Bombenmassakern in Eisenbahnen und auf Märkten (Italien) über die Anwendung systematischer Folterung von Regimegegnern (Türkei), die Unterstützung rechtsradikaler Staatsstreiche (Griechenland und Türkei) bis hin zur Zerschlagung oppositioneller Gruppen (Spanien und Portugal).“ (Einleitung Seite 22)

Teil 1: Deutschland (Buch, Seiten 295 bis 328)
Als am 27. Februar 1933 der Reichstag brande, lies Hitler bereits am nächsten Morgen 400 politische Gegner und kritische Journalisten (Mitglieder der KPD und SPD) verhaften und es wurde ein Gesetz verabschiedet, welches das Parlament abschaffte und alle Macht auf die Executive (also Adolf Hitler) übertrug. Man fand in dem holländischen Kommunisten Marinus van der Lubbe schnell einen Schuldigen für den Reichstagsbrand (1), doch der britische Geheimdienst kam zu dem Entschluss, dass die NSDAP das Feuer selbst gelegt hatte und bewusst einen Staatsstreich durchgeführt hatte, um das Parlament auszuschalten und eine Diktatur einzusetzen.

Nach dem Krieg rekrutierten die USA zahlreiche ehemalige Nazis (Angehörige der SS), die allesamt glühende Antikommunisten waren, für ihre stay-behinds. Das Pentagon ging soweit, dass es hochrangige Nazis aufspürte und vor den Nürnberger Prozessen versteckte und außer Landes schaffte und teilweise Asyl in den USA anbot. Diese Sonderbehandlung wurde u.a. Klaus Barbie zu teil, der als „der Schlächter von Lyon“ bekannt war (2) und in Abwesenheit in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt wurde. Hitlers General Reinhard Gehlen (3) stellte sich der USA, als der Krieg verloren schien, und erkaufte sich durch geheime Informationen über die Sowjetunion Freiheit und lernte ranghohe US Offiziere und den späteren CIA Direktor kennen. Präsident Truman ernannte Gehlen zum Chef des ersten deutschen Geheimdienstes, den er mit Hilfe seines Nazinetzwerkes aufbaute und anfänglich den Namen „Organisation Gehlen ORG“ trug.

Der ranghohe CIA Beamte James Critchfield wurde nach Deutschland entsandt um Gehlens Dienst zu überwachen. Er legte eine Akte für jeden der 150 wichtigsten Mitarbeiter Gehlens an und somit war der Geheimdienst von Anfang an fest in amerikanischen Händen.

Die Rolle Gehlens in der stay-behind Armee war dem damaligen westdeutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer bekannt, der im Mai 1955 mit Truman Geheimprotokolle unterzeichnete, in denen vereinbart wurde, dass die westdeutschen Behörden von der aktiven gesetzlichen Verfolgung bekannter Rechtsextremisten Abstand nehmen würden. In der Zwischenzeit waren die Guerilla Gruppen auch in Abwesenheit eines sowjetischen Angriffs politisch tätig und deren Anführer erstellen sogenannte schwarze Listen von Personen, die liquidiert werden sollten, da sie im Falle eines Krieges gegen die Russen als unzuverlässig galten. Auf diesen Listen standen Kommunisten der KPD sowie amtierende Sozialdemokraten.

Bereits 1952 gab es in Deutschland einen Skandal über die stay-behinds und der Spiegel berichtete über deren Existenz nicht nur in Deutschland. Im gleichen Jahr fand man in Hessen, in der Nähe von Waldmichelbach, das Ausbildungszentrum der stay-behind. Die Ausbildung, die immer von Offizieren der amerikanischen und britischen Streitkräfte geplant und durchgeführt wurde, umfasste Vernehmungstechniken, Schießen, die Anwendung von Sprengstoffen, das Aufstellen von Fallen, Kommunikation per Funk und Tötungsmethoden. Bei der Stürmung der Zentrale wurde u.a. auch eine Liste mit zu eliminierenden Personen an einem Tag X (russische Invasion) gefunden. Geplant war die Ermordung von mehr als 40 führenden Funktionären der Sozialdemokraten, wobei die Kommunisten an erster Stelle der Todesliste standen.

Die Landesregierung in Hessen forderte für die Aufklärung des Skandals Hilfe aus Bonn an, musste aber sehr schnell feststellen, dass die Adenauer Regierung und die CDU eine Untersuchung verhinderten. Darüber hinaus gab es einen Aufschrei, als das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass alle verhafteten Mitglieder der stay-behind freizulassen sind. Das deutsche stay-behind Netzwerk und der deutsche Geheimdienst überlebten durch den Schutz der CIA die Entdeckung von Teilen des Netzwerkes und Reinhard Gehlen blieb im Amt. 1956 änderte „Organisation Gehlen ORG“ ihren Namen und wurde fortan „Bundesnachrichtendienst BND“ genannt.

Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und sein Vizekanzler Willy Brandt misstrauten dem BND und veranlassten eine Untersuchung; der „Mercker-Bericht“ mit den Befunden dieser Untersuchung ist bis heute hinter Schloss und Riegel. Nach mehr als 20 Jahren Dienst wurde Reinhard Gehlen 1968 entlassen und durch Gerhard Wessel ersetzt, der 1945 als westdeutscher Militärattaché in Washington gedient hatte und gute Verbindungen zu CIA und NSA pflegte.

Die Staatssicherheit in Ostdeutschland wusste übrigens recht gut über die Aktivitäten des BND und seines stay- behind Netzwerkes Bescheid; durch Spionage und gezieltes Abhören. Sie entdeckten die Organisation 1979 bei einem NATO Manöver, bei dem über 50 stay-behind Standorte identifiziert wurden.

1981 wurden die entdeckten Waffenverstecke dem verhafteten Rechtsextremisten Heinz Lembke zugeschrieben, der damit die militärische Ausbildung einer Jugendgruppe verfolgt haben soll. In Berichten und in den Medien wurde er als verrückter und selbständig handelnder Extremist dargestellt, aber bereits damals vermuteten einige, dass Lembke mit dem stay-behind Netzwerk in Verbindung stand. Es wurde weiterhin gemutmaßt und als Tatsache angegeben, dass die tödlichen Waffen, die beim Terroranschlag auf das Oktoberfest in München am 26. September 1980 (bei dem 13 Menschen starben und 213 verwundet wurden) verwendet wurden, aus den Waffenverstecken der Geheimarmee stammten. Der mutmaßliche Täter Gundolf Köhler wurde selbst von der Bombe zerfetzt und es häuften sich Zweifel, ob er überhaupt das nötige Expertenwissen besessen hatte, solch eine Bombe selbst zu bauen. Interessant ist die Tatsache, dass Köhler einen Ausweis bei sich trug, mit dessen Hilfe er sofort identifiziert werden konnte. Es scheint, als hätten Terroristen eine recht innige Beziehung zu ihren Ausweispapieren.

Zahlreiche Ermittlungspannen und nicht verfolgte Hinweise und Zeugenaussagen lassen vermuten, dass absichtlich in eine falsche Richtung ermittelt wurde und Hinweisen nach Waffenverstecken nicht nachgegangen wurde. Der Terroranschlag von München ist bis heute nicht aufgeklärt. Als Heinz Lembke endlich wegen anderer Dinge festgenommen wurde, enthüllte er 33 Waffenverstecke und wollte am nächsten Tag weitere Details aussagen. Dazu kam es allerdings nicht, da er am nächsten Morgen erhängt in seiner Zelle aufgefunden wurde.

Fazit von Herrn Ganser: Trotz bestätigter Verbindungen zu Rechtsterroristen gab es in Deutschland keine parlamentarische Untersuchung der deutschen Geheimarmee, geschweige denn einen öffentlichen Bericht. „Was die demokratische Transparenz anbelangt, liegt Deutschland in Europa derzeit an letzter Stelle“, folgerte der Enthüllungsjournalist Leo Müller in seinem Buch über Gladio.

Weitere Quellen:
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Marinus_van_der_Lubbe
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Barbie
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Gehlen

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