Serie: organisierter Terror der NATO in Europa_Griechenland

Teil 2: Griechenland (Buch Seiten 329 bis 346)nato geheimarmeen
Der Schweizer Daniele Ganser befasste sich im Rahmen seiner Doktorarbeit im Fachgebiet Geschichte mit dem Phänomen Gladio und schaffte es durch Einblicknahme in (parlamentarische) Untersuchungsberichte, Zeugenaussagen und teilweise veröffentlichte Dokumente aus den Geheimdienstarchiven ein Bild davon zu zeichnen, wie es ein Netz aus Geheimdiensten, Militärs und wenigen eingeweihten Politikern schaffte, Europa politisch aber auch militärisch und gesellschaftlich zu beeinflussen und in eine den USA angenehme Richtung zu lenken.

Während des zweiten Weltkrieges überfielen erst italienische Truppen 1940 Griechenland und versuchten das Land einzunehmen, wurden aber von den Griechen verjagt. 1941 besetzte die deutsche Armee Griechenland, stieß aber auf heftigen Widerstand und hatte während des gesamten Krieges enorme Schwierigkeiten, das Land unter Kontrolle zu behalten. Die stärkste Widerstandsbewegung wurde von den Kommunisten gestellt, wobei ELAS, die Volksbefreiungsarmee, trotzdem von einem breiten politischen Spektrum gespeist wurde und sogar Frauen, Priester und Erzbischöfe im Widerstand kämpften. Bei seinen Operationen wurde ELAS durch den britischen Geheimdienst SOE unterstützt; mit Waffen und Munition versorgt und in den Kommandozentralen beraten.

Der englische Premierminister Winston Churchill entschied plötzlich im März 1943 alle Unterstützung für die ELAS einzustellen, da er befürchtete, dass Griechenland nach der Niederlage der Nazis in die Hände der Kommunisten fallen könnte. Er schickte seinen Außenminister Anthony Eden im Oktober 1943 zu Stalin, wo man die Aufteilung des Balkan besprach. Das auf Jalta zementierte Abkommen gewährte Großbritannien und den USA freie Hand in Griechenland, während Bulgarien und Rumänien unter den Einfluss der Sowjetunion fallen sollte.

In Großbritannien plante man, den griechischen König zusammen mit einer rechtsgerichteten Regierung wieder einzusetzen, um die Macht der griechischen Kommunisten und Sozialisten zu minimieren. In einer Anweisung des britischen Außenministeriums vom März 1943 entschied man, dass sich die SOE immer solchen Gruppen zuwenden sollte, die bereit waren, den griechischen König und die Regierung zu unterstützen, aber auch Druck ausüben sollte auf solche Gruppen die möglicherweise gegen die Monarchie waren und diesen klar machen, dass der griechische König und die Regierung die volle Unterstützung der englischen Regierung und ihrer Majestät genießen würden. Der König hingegen war in bei vielen Griechen unbeliebt, weil er mit dem faschistischen Diktator Metaxas kooperiert hatte und Ende der 30er Jahre sogar den Hitlergruß eingeführt hatte.

Der Kurswechsel war für ELAS fatal, denn alsbald begannen ehemalige Nazi Kollaborateure und rechtsgerichtete Spezialeinheiten mit britischer Unterstützung ELAS Widerstandskämpfer zu jagen und zu töten. Churchill musste aus der Ferne trotzdem mit ansehen, wie die Jäger in der Unterzahl blieben, weil die ELAS weiterhin die stärkste Guerilla des Landes blieb. 1944 entschied er sich für die Gründung einer neuen griechischen rechtsgerichteten Geheimarmee , deren Ziel die Kommunisten und Sozialisten des Landes waren. Ausgeschlossen waren daher moderat konservative und linksgerichtete Männer und die Besetzung erfolgte ausschließlich mit Royalisten und Anti-Republikanern. Namen für diese Geheimarmee gab es zahlreich, am bekanntesten sind Greek Mountain Brigade (Griechische Gebirgsjäger), Hellenic Raiding Force (Hellenische Überfalltruppe) oder LOK (Lochos Oreinon Katadromon). Churchill befürchtete ein PR Disaster zu Hause, sollten die Briten erfahren, dass man Faschisten in Griechenland unterstützte, um die Kommunisten zu bekämpfen und so erhielt die BBC die Anweisung, jegliche positive Berichterstattung über ELAS zu unterlassen. Als ELAS den Sieg über die deutschen Besatzer erzielte und Hitler gezwungen war, seine Truppen aus Griechenland abzuziehen, forderte Churchill die ELAS sofort auf, seine Waffen niederzulegen. Die ELAS wollte dies tun, wenn die gleiche Anweisung auch für die Helenic Raiding Force gelten würde.

Großbritannien weigerte sich, die unter ihrer Kontrolle stehende Geheimarmee zu entwaffnen und so kam es am 3. Dezember 1944 in Athen zu einer großen demokratischen Demonstration gegen die britische Einmischung in die Nachkriegsregierung von Griechenland, die von der EAM (politischer Zweig der ELAS) nur 6 Wochen nach Hitlers Vertreibung organisiert wurde. Es sollte eine friedliche Demonstration auf dem Syntagma-Platz werden, an der auch Familien mit ihren Kindern teilnahmen und als Auftakt eines Generalstreiks gedacht war. Die Demonstranten trafen allerdings auf bewaffnete Truppen, unter denen höchstwahrscheinlich auch Mitglieder der Helenic Raiding Force waren. Es folgte ein Massaker, 25 Demonstranten verloren ihr Leben, 148 Personen wurden verletzt. Churchill sollte sich zu Hause erklären und meinte nur, dass es dumm sei, so viele unbewaffnete Kinder zu einer Demonstration mitzunehmen, wenn sich so viele bewaffnete Männer in der Stadt aufhalten würden. Die Rolle der rechtsgerichteten Geheimarmee im Syntagma Massaker wurde nicht untersucht.

1946 kam es zu Wahlen in Griechenland und die Rechte ging erfolgreich aus den Wahlen hervor. Sie fürchtete noch immer die Kommunisten und so lies die Regierung Mitglieder von EAM festnehmen und in berüchtigten Gefangenenlagern auf den Inseln foltern. Der Unmut der Linken wuchs und viele bewaffneten sich, um gegen die Briten und die einheimische Rechte zu kämpfen. England bat 1947 die USA um Hilfe, wo man ganz genau wusste, dass die griechische Regierung erstens bestechlich war und zweitens die Menschenrechte missachtete. Das kommunistische Jugoslawien versorgte die griechischen Linken mit Waffen, was Präsident Truman dazu veranlasste, in Griechenland einzugreifen. „Griechenland war das erste Land, in das die Vereinigten Staaten während des Kalten Krieges mit ihren Truppen eindrangen, entsprechend ihrer Strategie, den Kommunismus weltweit zu bekämpfen.“ (Seite 333). In den kommenden Jahren wurde diese Strategie auf weitere Länder ausgeweitet und so kam es zu Invasionen in Korea, Kuba, Vietnam, Kambodscha etc.

Truman erklärte die kämpfenden Linken zu Terroristen, weil sie die demokratische Regierung in Athen bekämpften. Stalin schloss 1948 Jugoslawien aus dem Sowjet Block aus, weil er die kommende Konfrontation zweier Supermächte bemerkte und somit waren die Linken von Waffen abgeschnitten. Mit der „Operation Torch“ schütteten die Amerikaner tausende von Litern Napalm auf Griechenland und beendeten damit den Bürgerkrieg.

Nachdem der ehemalige CIA Agent Philip Agee 1959 den Geheimdienst verlies und sein Buch „Dirty Work: The CIA in Western Europe“ veröffentliche machte er hinsichtlich Griechenland folgende Bemerkungen. Griechisch – amerikanische CIA Agenten rekrutierten mehrere Gruppen griechischer Bürger für eine Armee, die gut ausgebildet und ausgerüstet als Guerilla Einheit unabhängig voneinander agieren konnte. Die Kontrolle dieser Einheiten lag bei der CIA und griechischen Offizieren, denen die USA vertraute. Wie in allen anderen Ländern auch herrschte das Need-to-know-Prinzip, das heisst, dass jeder Beteiligte nur so viel wusste, was er zur Durchführung seiner Aktivitäten wissen musste. „ Die paramilitärische Gruppe wurde, soweit man weiß, nie aufgelöst. In den Augen ranghoher CIA Beamter waren die Gruppen unter der Leitung des paramilitärischen Zweigs eine langfristige Versicherung für die Interessen der Vereinigten Staaten in Griechenland, die man als Hilfe oder zur Leitung eines Sturzes einer schlecht führbaren griechischen Regierung nutzen konnte“ (Seite 336)

Der griechische militärische Geheimdienst KYP wurde vom CIA finanziert und kontrolliert und so wurden die Tonbänder mit Abhörprotokollen speziell des bulgarischen und russischen Funkverkehrs aber auch griechischer Mitbürger regelmäßig in die USA geschickt, wo sie vom NSA decodiert wurden. Im Laufe der Jahre entstanden so 15 Tonnen Informationen und 16,5 Millionen einzelne Akten über Griechen, die als Bedrohung für den Staat angesehen wurden.

Auch vor Staatsstreichen schreckte die CIA nicht zurück, wie diese Kurzfassung der Ereignisse von 20. Und 21. April 1967 demonstriert.1964 wurde Andreas Papandreou Erster Staatsminister und entdeckte, dass der KYP regelmäßig ministerielle Gespräche abhörte und an die CIA weiterreichte. Er entließ zwei leitende Offiziere des KYP und untersagte die weitere Zusammenarbeit mit der CIA. Der neue KYP Direktor kam darauf hin auf ihn zu und erklärte, dass dies nicht möglich sei, da die beiden Geheimdienste praktisch ein einziger Geheimdienst seien. Papandreou forderte den KYP heraus und dies hatte weitreichende Konsequenzen.

Die Helenic Raiding Force übernahm gegen Mitternacht die Kontrolle über das griechische Verteidigungsministerium, besetzten das Parlament, den königlichen Palast und die Rundfunk- und Kommunikationszentren. Sie drangen außerdem in das Haus des Regierungschefs ein, bedrohten seine Familie, verhafteten seinen Vater George Papandreou (früherer Premierminister) und verhafteten insgesamt mehr als 10 000 Leute, die in sogenannte Aufnahmelager gebracht wurden. Als die Griechen am Morgen erwachten, erklärte ihnen Oberst George Papadopoulos, dass er die Macht übernommen habe um die Demokratie, Freiheit und das Wohlergehen zu sichern. Elf Artikel der Verfassung wurden außer Kraft gesetzt und Menschen konnten an Ort und Stelle ohne Haftbefehl festgenommen und vor ein Militärgericht gebracht werden. Demonstrationen und Streiks wurden verboten und Bankkonten eingefroren. Oberst Yannis Ladas, Direktor der griechischen Militärpolizei, erklärte später stolz, wie präzise und schnell der NATO Plan umgesetzt wurde und innerhalb von 20 Minuten alle Politiker, alle Männer und alle Anarchisten, die auf der Liste standen, zusammengetrieben werden konnten. Viele der Verhafteten waren Kommunisten, Sozialisten, Künstler, Akademiker, Journalisten, Studenten, politisch aktive Frauen, Priester etc. Sie und ihre Familien wurden auf grauenvolle Weise gefoltert, Einzelheiten möchte ich Euch ersparen, aber sie sind auf Seite 344 aufgeführt.

1990, als das Gladio Netzwerk in Italien aufflog und untersucht wurde, waren auch Stimmen in Griechenland zu vernehmen, die eine parlamentarische Aufklärung der Vorgänge im Land forderten. Dies wurde von der konservativen Regierung allerdings abgelehnt. Der griechische Minister für öffentliche Sicherheit, Yannis Vassiliadis, erklärte dass die Polizei keine Fantasien untersuchen würden. Der Druck wurde stärker und Verteidigungsminister Varvitsiotis drängte darauf, dass eine parlamentarische Untersuchung nicht notwendig sei, da er sich dieser Affäre selbst annehmen würde. Noch vor Fertigstellung des Untersuchungsberichts verkündete er seinen Ministerkollegen, dass die Regierung nicht zu befürchten hätte.

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