Arbeitsplätze (von Volker Pispers)

Ich lese gerade von Volker Pispers “RadioAktiv“, eine Zusammenstellung seiner Hörfunkglossen aus 13 Jahren Vormittagsprogramm von WDR2 und stosse dabei auf erfrischende Texte, die eines ganz deutlich machen. Es lohnt sich durchaus, in den aktuellen Krisen zurück zu schauen und sich mit den Krisen (hausgemacht oder von aussen auf uns hereingebrochen) der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Man wird feststellen, dass wir immer wieder den gleichen Brei durchkauen und wir die wahren Probleme nur vor uns herschieben, ohne eine wirkliche Lösung herbeizuführen. Dazu bräuchte es Politiker mit Durchblick und dem Willen, wirklich etwas verändern zu wollen. Liest man dieses Buch, erkennt man schnell (falls man dies nicht schon längst hat), dass es diesen Willen bei der Spezies Politiker nicht mehr gibt. Die sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und der Frage, wo sie sich nach ihrer Politikerkarriere verdingen, um dort ihren Lebensunterhalt zu beschreiten.

Ihr ein kleiner Auszug: Arbeitsplätze vom 22.07.2008

“Auf der Liste der bedrohten Arten stehen die Arbeitsplätze ja wohl ganz, ganz oben. Speziell die Arbeitsplätze in Deutschland sind von derart vielen und verschiedenartigen natürlichen Feinden bedroht, dass man glatt den Überblick verliert.

Wenn die Krankenkassenbeiträge steigen, bedrohen die unbezahlbaren Lohnnebenkosten die Arbeitsplätze. Wenn die Krankenkassenbeiträge sinken, sind auch Arbeitsplätze in Gefahr, weil dann im Gesundheitswesen Geld fehlt und Leute entlassen werden müssen.

Ähnliches ist beim Euro zu beobachten. Wenn der Euro, wie derzeit, stark ist, jammern die Wirtschaftsexperten rum, dass die Arbeitsplätze bedroht sind, weil unsere Exporte für das Ausland kaum noch zu bezahlen sind. Wenn der Euro schwach ist, jammern die Wirtschaftsexperten auch rum, denn dann sind die Arbeitsplätze bedroht, weil die Importe unbezahlbar werden.

Man kann es den Arbeitsplätzen aber auch wirklich nur schwer recht machen. Und woher soll der Euro eigentlich wissen, ob er gerade zu stark oder zu schwach ist? Vielleicht sollte er mal die Wirtschaftsexperten fragen, denn die verfügen über Arbeitsplätze, die grundsätzlich nie bedroht sind. Ob Aufschwung oder Rezession, ob Infla- oder Stagflation – den Wirtschaftsexperten geht es immer gut. Allzeit bereit, sitzen diese durchweg männlichen Mentalblondinen in den Talkshows und sondern mit sorgenzerfurchter Stirn die für die jeweilige Krise verfügbaren Plattitüden ab.

Im Zweifelsfall sind übrigens grundsätzlich die Löhne zu hoch. Nein, nicht die Löhne der Experten, die Löhne der arbeitenden Bevölkerung. Vermutlich hoffen die Experten, durch eine Senkung der Löhne die stagnierende Binnennachfrage anzukurbeln.

Vorallem die Lohnnebenkosten müssen runter. Dass die Menschen Lohn brauchen, weil sie ohne Essen und Trinken nicht zur Arbeit kommen können, das sehen viele Arbeitgeber ja noch widerwillig ein, aber Lohnnebenkosten? Gut, über Zuschüsse zur Krankenkasse könnte man ja noch reden. Mit kranken Arbeitnehmern kann keine Firma Geld verdienen. Aber warum soll der Arbeitgeber sich an der Renten- und Arbeitslosenversicherung beteiligen? Also runter mit den Lohnnebenkosten. Nebensachen wie die Rente sollen die Arbeitnehmer gefälligst selber finanzieren durch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge. Wovon? Natürlich von den gekürzten Löhnen. Fragen Sie nur die Experten. Wirtschaftsexperten – etwas Blöderes finden Sie in keinem Tierpark. “

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