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KenFM erproben neues Format

Eine super interessante Gesprächsrunde, für die man sich sicher etwas Zeit nehmen muss, aber jede Minute gerechtfertigt ist. So viel Qualität in einer Talkrunde würde ich mir im deutschen Fernsehen wünschen, wo man unsere GEZ Beiträge für weichgespülten Unsinn verplämpert aber leider ist es so, dass crowdfinanzierte Journisten so etwas auf die Beine stellen müssen. Armes Deutschland!

Lasst die Shopping Queen mal sausen und schaut Euch was wirklich wichtiges an! Man kann nicht nichts tun und hoffen, dass alles besser wird. Das Gegenteil wird eintreten und dann ist jedes Jammern zu spät.

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Friedensappell von Eugen Drewermann vor dem Schloss Bellevue, Berlin, 13.12.2014

Der Theologe Eugen Drewermann, der sich bereits früher in der Friedensbewegung stark gemacht hat, sprach bei der Demonstration gegen die Kriegspolitik Gaucks in Berlin vor ein paar Wochen. Er ist ein sehr besonnener Redner mit vielen Pausen, leiser Stimme und keinem großen Theater. Er ist aufgebracht und man merkt es ihm an. Er hat mich mit seiner Rede tief berührt. Er appeliert an uns Deutsche, einen Krieg nie mehr zu zu lassen, uns nicht gegeneinander aufhetzen zu lassen. Er fordert einen Austritt aus der NATO, weil sie kein Verteidigungsbündnis ist sondern nur die Interessen der USA verfolgt. Er stellt klare Forderungen an Gauck (mit denen er wohl leider auf taube Ohren stossen wird) und er bringt es auf den Punkt:

“Das Töten von Menschen ist nicht das Retten von Menschen!”

Anschliessend noch ein kurzes, 5 minütiges Interview mit Ken Jebsen

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43655/1.html

Die unverstandene und unterschätzte Mahnwachen Bewegung in Deutschland

Bereits seit einigen Wochen besuche ich jeden Montag die Mahnwache für den Frieden in Nürnberg. In der Presse lese oder höre ich hier und da negative Äußerungen zu den Mahnwachen und dann meist von Leuten, die noch nie dort gewesen sind und dies hat mich dazu veranlasst, folgenden Beitrag zu schreiben.

Unsere Leidmedien werden nicht müde, den Mahnwachen verschiedene Stempel aufzudrücken und die gehen von links- zu rechtsextrem, rassistisch oder antisemitisch. Außerdem seien sie ein Hort von Verschwörungstheoretikern, vom Leben Enttäuschten und anderen Verlierern, Weltverbesserern und Pazifisten. Dabei frage ich mich schon lange, seit wann es in Deutschland verpönt ist, gegen den Krieg zu sein? Gerade in Deutschland, das so viel Unrecht und Elend über diese Welt gebracht hat, weil es zwei Weltkriege zu verantworten hat!

Aber sprechen wir doch über die anderen Attribute, mit denen die Anhänger der Mahnwachen Bewegung gern behängt werden. Menschen, die sich dort versammeln seien entweder Anhänger linker oder rechter Gruppierungen und verträten Ansichten jenseits der politischen Mitte. Nun das mag sogar sein, wenn man den Einheitsbrei von CDU, CSU, SPD und Grüne heutzutage betrachtet und den Bockmist, den sie dabei verzapfen, ist es gar nicht so schwer, sich entweder links oder rechts davon zu bewegen. Es gab Studien unter den Teilnehmern, die widerlegen, dass diese Menschen überwiegend in linken oder rechten Parteien organisiert seien. Es handelt sich um ganz normale Menschen, die genug haben von der Betrügerpolitik unserer Regierung, die keinen Bock mehr haben von der Presse verarscht zu werden und eben nicht wollen, dass sich Deutschland in einen Krieg verwickeln lässt, der von Amerika aus geplant und forciert wird.

Was die meisten Menschen in diesem Land noch nicht verstanden haben, wird von den Medien immer noch wunderbar gegen uns verwendet. Es gibt schon lange kein links und rechts mehr. Denn im Prinzip ist es vollkommen egal, welche Partei an der Macht ist. Raus kommt immer der gleiche Scheiß! Denn die Politik wird nicht von unseren Politikern gemacht und die wirklich wichtigen Entscheidungen werden woanders gefällt. Die Politiker sind nur Erfüllungsgehilfen und Marionetten, die sich vor die Fernsehkameras stellen und gute Miene zum Spiel machen. Alle paar Jahre verprostituieren sie sich für das Schauspiel Wahlen und wecken den Anschein, dass die Wahl der richtigen Partei zukunftsweisend und wichtig für Deutschland sei. Alles Humbug! Um die Leute bei Laune zu halten und sie zur Wahl der „richtigen“ Partei anzutreiben werden Gefühle mit den Altbegriffen links und rechts geschürt, in welche Ecken sich die wenigsten stellen lassen wollen. Deswegen wählen auch so viele immer wieder die gleiche Partei, obwohl sie schon seit Jahren immer wieder von ihr enttäuscht werden. Hauptsache nicht links oder rechts wählen. Aufgrund unserer Geschichte und dem Stigmata des Rassisten, den viele meiden wollen, ist der zu beobachtende Rechtsdruck wie er in Europa zu erkennen ist, in Deutschland noch nicht so stark ausgeprägt und die AfD wählt man eigentlich mehr aus Protest als aus Überzeugung.

Warum gehe ich also zur Mahnwache? Weil ich mich von den Medien falsch informiert fühle. Weil ich wissen wollte, was andere Menschen über all das Unrecht denken, dass in der Ukraine, in Gaza usw. geschieht. Außerdem wollte ich wissen, wie viele andere Bürger den Mut und Zivilcourage haben, gegen all das Unrecht auf die Straße zu gehen und für ihre Meinung und ihre Überzeugungen einzutreten. Was habe ich bei den Mahnwachen gefunden? Das Gefühl von Gemeinschaft, das der Austausch mit Gleichgesinnten bringt. Weitere Aufklärung über Themen, die bei mir bisher noch nicht so stark im Fokus standen. Das Besprechen von möglichen Lösungen und Gesellschaftsmodellen, die besser funktionieren könnten als das bisherige. Ich habe Leute getroffen, die entweder ähnliche oder aber auch total andere Weltanschauungen haben als ich und wir tauschen uns aus und hören uns gegenseitig zu. Man muss dem nicht immer zustimmen, was andere sagen, aber man kann ihnen die Zeit geben und zuhören. Das gehört zu einem demokratischen Austausch dazu und regt das Nachdenken an. Auf den Mahnwachen gibt es keine Sprechverbote, äußern darf sich jeder. Da kommt es schon mal vor, dass der ein oder andere Meinungen äußert, die nicht dem Konsens der Gruppe entsprechen (in Nürnberg ist dies zum Glück noch nie passiert, in anderen Städten schon). Sollten die Äußerungen in Beleidigungen oder Beschimpfungen enden, können die Reden jederzeit vom Organisator beendet werden. Ansonsten herrscht Redefreiheit.

Thematisch orientiert sich die Mahnwache Nürnberg (wie die Mehrheit der anderen Mahnwachen) an den folgenden Themen: die ungerechte Zinspolitik der Federal Reserve Bank von Amerika (und die daraus resultierende menschenverachtende Politik Amerikas), die soziale Absicherung eines jeden Bürgers durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, die Propaganda der Medien und damit verbunden die Kriegshetze gegen gewissen Länder und Alternative Energiepolitik für die Schonung von Mutter Natur und deren Ressourcen.

Was all dies mit Antisemitismus zu tun haben soll, hat sich mir noch immer nicht erschlossen, aber auf diese Einsicht werde ich wohl auch weiterhin warten müssen, schließlich handelt es sich hierbei nur um ein Todschlagargument, mit dem der Behaftete mundtot gemacht werden soll. Es ist meiner Meinung nach ein billiger Trick, sich gekonnt aus der Affäre zu ziehen und sich nicht mit Menschen oder Meinungen auseinandersetzen zu müssen, die meinen widersprechen.

Auf den Mahnwachen werden weder Israelis noch Ausländer schlecht geredet. Im Gegenteil, wir kümmern uns darum, was in den Flüchtlingslagern Deutschlands passiert und wie sich Deutschland gerade richtig blamiert, weil es dieses reiche Land nicht schafft, menschenwürdige Unterkünfte für diese Leute bereitzustellen. Da reden Steinmeier und Co davon, mehr Verantwortung in der Welt übernehmen zu wollen und dort einzutreten, wo gegen Menschenrechte usw verstoßen wird, aber dabei haben sie wohl alle vergessen zu erwähnen, dass wir uns an diesen Vorsatz nur dann gebunden fühlen, wenn dabei auch Milliardengewinne für unsere Rüstungsindustrie rausspringen oder Großaufträge für unsere Wirtschaft. Sich mit Flüchtlingen und deren Bedürfnissen rumschlagen, das dürfen andere! Was für eine Heuchelei!!!

Meiner Meinung nach geht es bei den Mahnwachen darum, Menschen aufzuwecken aus ihrem Dornröschenschlaf und aufzuzeigen, was in Deutschland und der Welt schief läuft. Mehr können und sollen die Mahnwachen gar nicht leisten. Alles andere muss jeder mit sich selbst ausmachen. Über sein Leben nachdenken und sich Gedanken darüber machen, wie wir alle diese Informationen nutzen können, um selbst Veränderungen herbeizurufen. Es ist einfach, über die Gesellschaft und deren Verwerfungen zu schimpfen, aber wenn wir uns vor Augen halten, wer die Gesellschaft eigentlich ist, dann müssen wir uns an die eigene Nase fassen. WIR SIND DIE GESELLSCHAFT. Wollen wir etwas ändern, müssen wir zuerst uns ändern! Wenn man das Finanzsystem kritisiert, sollte man seine Bank wechseln und zu einer Ethikbank gehen. Meckert man über das Energiesystem und darüber, wie uns EON und Co ausbeuten, dann sollte man zu einem 100%igen Ökostromanbieter wechseln, der vielleicht ein paar Cent teurer ist, aber das sollte es uns dann Wert sein. Kotzt es uns an, wie wir mit all dem Kram wie iphones, ipads, apps usw abgelenkt und dann auch noch ausspioniert werden; wie wir nur noch für Konsum und Verkaufszahlen wichtig sind? Dann sollten wir sie boykottieren und nicht mehr kaufen! Regt es uns nur noch auf, wie Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Handelsblatt und Co berichten und die Tatsachen verdrehen? Dann sollten wir unsere Abos kündigen! Wie Ken Jebsen so schön in seiner unten verlinkten Rede sagt; wir müssen aufhören darauf zu warten, dass uns jemand anders den Weg ebnet oder sagt, was wir wie zu tun haben, damit die Welt besser wird. Denn diesen jemand wird es nicht geben. Wir müssen selbst genug Verantwortung für unser Leben übernehmen und für uns einstehen. Oder die Klappe halten und weiter so machen bis wir irgendwann die Zustände von Orwells 1984 erreicht haben.

Man braucht keine Angst vor den Mahnwachen zu haben. Man muss nichts sagen und keine Rede halten, sondern kann einfach nur zuschauen. Man kann anderen Passanten durch seine Anwesenheit deutlich machen, dass das Thema Frieden wichtig ist und es sich lohnt, dafür einzustehen. Die meisten gehen vorbei und haben keine Zeit oder kein Interesse für solch ein wichtiges Thema. Manch einer denkt sich vielleicht, was für Spinner da wieder rumdemonstrieren und dass all dies sowieso keinen Sinn macht. Die meisten von uns haben sich zu konsumierenden Zombies entwickelt, denen der Wochenendeinkauf im Outlet Center wichtiger ist als ein Waldspaziergang oder mit seinen Kindern ausgelassen auf dem Spielplatz herumzutollen. Menschen machen sich mehr Sorgen darüber, was der nicht enden wollende Flüchtlingsstrom für Deutschland und ihr eigenes Leben bedeutet, als sich das Leid und Elend dieser Leute vor Augen zu führen. Wir schimpfen über die faulen Harz IV Empfänger und klatschen Beifall, wenn ihnen mal wieder die Leistungen gestrichen werden, ohne zu bedenken, dass die meisten unverschuldet in dieses System hineingeraten sind und alles für eine menschenwürdige Arbeit tun würden.

Und wie krank ist eigentlich eine Gesellschaft, wo Leute mehr als 24 Stunden für das neue iphone anstehen, aber keine Zeit haben, für den Frieden auf die Straße zu gehen? Angelehnt an den Werbespruch eines bekannten Möbelhauses frage ich Euch: Funktioniert Ihr noch oder lebt Ihr schon?